Sieben Bauten für dreizehn Kräuter – Ricola und Herzog & de Meuron

 - Jakob Schoof

Der Bonbonhersteller Ricola und das Architekturbüro Herzog & de Meuron zählen, jeder in seinem Segment, zu den exportstärksten Schweizer Marken. Sechsmal haben sie in der Vergangenheit bereits gemeinsam gebaut, zumeist am Stammsitz des Kräuterwarenherstellers in dem 5000-Einwohner-Städtchen Laufen südlich von Basel. Das siebte Gebäude ist zugleich das bislang größte: 111 Meter lang, 29 Meter breit und elf Meter hoch, ein monolithisch und zugleich maßstabslos wirkender Stampflehmquader am Rande eines Gewerbegebiets rund einen Kilometer südöstlich des Ortszentrums. 2006 hatte Ricola seine Produktionsanlagen aus dem Ortskern hierher verlagert. Deren von einem Ingenieurbüro geplanter, technizistischer Ästhetik setzen Herzog & de Meuron auf dem Nachbargrundstück nun einen Ausdruck von Erdenschwere und Naturverbundenheit entgegen. Die Fassaden des neuen Kräuterzentrums gleichen flächigen Kompositionen aus wenigen, übergangslos nebeneinander gesetzten Materialien. Den Grundton bildet dabei der Stampflehm mit seiner charakteristischen Schichtstruktur, der im Umkreis von zehn Kilometern rund um die Baustelle abgebaut und in einer leer stehenden Fabrikhalle im Nachbarort Zwingen zu großformatigen Fertigteilen weiterverarbeitet wurde. Im denkbar größten Kontrast hierzu – und zur Rechteckform des Neubaus insgesamt – stehen vier große Bullaugenfenster mit geklebter Stufenfalz-Verglasung, die die leicht aus der Fassadenfläche hervortretenden Rahmen komplett überdeckt. Die Türen und Tore sind ebenfalls als rahmenlose Flächen aus Lärchenholz konstruiert und werden von kleinen Vordächern vor dem an der Fassade herabrinnenden Lehmwasser geschützt. Am oberen Fassadenabschluss dient eine minimale Dachauskragung aus Wellblech als Wetterschutz – dem einzigen Material, das unmittelbar Assoziationen an Industriebauten hervorruft.

Sieben Bauten für dreizehn Kräuter – Ricola und Herzog & de Meuron
Lagerhaus, 1987 © Margherita Spiluttini