Sechs Jahrzehnte hat Rom vergeblich auf eine musikalische Kulturstätte gewartet, eine Halle, wie die der schönen Künste, die wäh-rend der Mussolini-Zeit zerstört wurde. Erst 1993 lobte die Stadt einen Wettbewerb aus, den Renzo Piano gewann. Er ordnete drei Baukörper Raum bildend auf dem geschichtsreichen Boden zwischen Tiber und den Parioli-Bergen an. Die Formen sind Resonanzkörpern von Saiteninstrumenten entlehnt. Zusammen kreieren die drei Konzerthallen mit einem offenen Amphitheater Roms neues multifunktionales Auditorium, gelegen zwischen dem olympischen Dorf und den Sportbauten von Pier Luigi Nervi aus dem Jahre 1960. Archäologische Funde einer antiken Villa, entdeckt bei den Bauarbeiten, wurden in die Auditoriumsanlage integriert. Ein Museum für historische Instrumente bezieht die Vergangenheit mit ein. In den drei Sälen findet jede Aufführung, von kleinen feinen Stücken bis zu großen opulenten Werken, ihren spezifischen Rahmen. Sie gruppieren sich um die Stufen des Amphitheaters, der Piazza dieser Musikstadt. Kammermusik, Oper und Theater sowie kleinere Symphoniekonzerte bespielen den kleinsten Saal mit 700 Sitzplätzen. Im mittleren, 1200 Sitzplätze großen Sinopoli-Saal (der bisher als einziger einen Namen hat), kann die Bühnengröße im Verhältnis zum Zuschauerbereich verändert werden. Er bietet umfangreichen Aufführungen Gestaltungsfreiheit. Die große Symphoniehalle fasst 2800 Sitzplätze um die zentral angelegte modulare Bühne. Nicht nur Probenräume, auch die Foyers und Zwischenbereiche sind aufgrund ihrer Holzoberflächen für musikalische Aufführungen geschaffen. Fußböden und Tischlerarbeiten sind in massivem amerikanischem Kirschbaum und die Akustikpanele aus den Furnieren gearbeitet. Die nachhaltige Forstwirtschaft amerikanischer Kirschbaumwälder überzeugte selbst den kritischen öffentlichen Bauherrn. Im April 2002 konnte das neue Auditorium nach über fünfjähriger Bauzeit eröffnet werden.Luc Petri-Boddien
