Future Systems blickt auf eine lange Reihe von Entwürfen organisch geformter Gebäude zurück, wie den 1989 nur knapp unterlegenen Wettbewerbsbeitrag für die Pariser Nationalbibliothek oder das 1996 fertig gestellte Media Center des Londoner Lord’s Cricket Ground. In Birmingham wird am 4. September das bislang größte realisierte Projekt dieser Art eröffnet. Der Bauherr Selfridges wollte nicht nur ein zukunftsweisendes Kaufhaus, sondern auch ein Wahrzeichen schaffen, ein Symbol für die Erneuerung der alten Industriestadt. Von weitem sichtbar sticht die silbern glänzende Welle aus der Stadtsilhouette. An einen Shoppingkomplex angedockt, breitet sich der biomorphe Baukörper über das nach Osten stark abfallende Grundstück aus. Dreidimensional durchgeformt, mit schlanker Taille und markanten Rundungen, geht die Hülle fließend ins Dach über. Die stattliche, bis zu 35 m hohe Gebäudemasse wird zur Skulptur. Polierte und eloxierte Aluminiumscheiben (Ø 600 mm) geben der weitgehend homogen geschlossenen Fläche Körnung. Wie Pailletten an einem Kleid wechseln sie je nach Lichteinfall entlang der Gebäudekurven ihre Schattierung, reagieren auf Wetterstimmungen und spiegeln die benachbarte St Martin’s Church ebenso wider wie vorbeigehende Passanten. Am unteren Saum der Fassade steigen wellenförmig Eingänge und Schaufenster auf. Ihre Gläser sind am Rand goldgelb eingefärbt und von innen weiß hinterlegt, setzen sich so vom Rest der Hülle ab. Ähnlich gerahmt sind Ausblicke in den oberen Geschossen, zum Kirchenvorplatz orientierte Terrassen sowie ein Bullauge, aus dem in 17 m Höhe kühn eine gekrümmte Brücke zum benachbarten Parkhaus hervortritt. Die Tragstruktur des Baus besteht aus Stahl, die Geschossdecken umschließen ein von oben belichtetes Atrium. Um sie legt sich aussteifend die organisch geformte Haut aus Stahlgewebe und Spritzbeton, außen mit Dämmung sowie einer dünnen Schicht aus blau gestrichenem WU-Beton versehen. Abends von unten blau angestrahlt, wird die satte Farbe der Hülle betont, während die Aluteller im Schatten liegen.
