Ring der Erinnerung – Mahnmal in ­Ablain-Saint-Nazaire

 - Claudia Fuchs

Rund zehn Kilometer westlich von Lens, am Hügel von Notre-Dame-de-Lorette, legt sich ein dunkles Band an die Hangkante, das beim Näherkommen als ringförmige Struktur erkennbar wird – der »Anneau de Mémoire«, der Ring der Erinnerung. Die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs befindet sich neben dem größten französischen Soldatenfriedhof, der auf dieser Anhöhe, die wegen ihrer strategischen Lage 1914/15 heftig umkämpft war, 1925 angelegt wurde. Das Massensterben im Stellungskrieg um die Höhenzüge der Westfront, bei denen Hunderttausende ihr Leben verloren, bezeugen auch die nahe gelegenen deutschen und britischen Soldatenfriedhöfe ebenso wie das monumentale kanadische Nationaldenkmal in Vimy. Von jeglichen nationalen und heroischen Gesten distanziert sich das neue, von dem Pariser Architekten Philippe Prost entworfene Mahnmal mit seiner klaren Architektursprache. Als internationale Gedenkstätte vereint es erstmalig die Namen aller gefallenen Soldaten, ob Freund oder Feind, in alphabetischer Reihenfolge, ungeachtet der Nationalität, des Dienstgrads oder Glaubens. Im Kontrast zum hoch aufragenden weißen Turm und der Kirche Notre-Dame-de-Lorette schmiegt sich das optisch zurückhaltende Oval neben den Gräberreihen in die Landschaft: Teils ist das Bauwerk in den Hang geschoben, teils liegt es auf, teils kragt es über die Hangkante aus. Die Ringform als markantes Bild symbolisiert für Philippe Prost Einheit und Brüderlichkeit. Die weite Auskragung soll zudem daran erinnern, dass Frieden ein austarierter Zustand eines stets fragilen Gleichgewichts ist.

Ring der Erinnerung – Mahnmal in ­Ablain-Saint-Nazaire
© Claudia Fuchs