Sanierung eines Bürogebäudes in Bærum

Norwegen gilt europaweit als Vorreiter bei der Versorgung mit regenerativer Energie. Schon seit Jahren deckt das Land über 60 Prozent seines Netto-Endenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. Dennoch ist der Bau von Plusenergiegebäuden für die Norweger bislang Neuland. Denn diese nutzen meist die Sonne als Hauptenergiequelle. In Skandinavien hingegen dominieren – aus nahe liegenden klimatischen Gründen – bislang eher andere Naturressourcen wie Wind und Wasser die Energieversorgung. Die Planung des landesweit ersten Plusenergie-Bürohauses in Bærum zehn Kilometer südwestlich von Oslo war daher für alle Beteiligten – einschließlich der nationalen Bau- und Energiebehörden – eine Premiere. Dies umso mehr, als es sich beim »Powerhouse Kjørbo« um die energetische Sanierung zweier Büroblocks aus den 80er-Jahren handelte. Sie sind Teil eines Gebäudekomplexes, den der (heute zu Statoil gehörende) Ölkonzern Saga Petroleum Anfang der 80er-Jahre am Ufer des Oslofjords errichtet hatte. Insgesamt neun drei-bis viergeschossige Baukörper mit quadratischen Grundrissen verteilen sich auf dem parkartigen Grundstück. Auf der Landseite schließt sich das Zentrum des Ortsteils Sandvika an, das – mit Bürohäusern, Bahnhof, Einkaufszentrum und einem Autobahnknotenpunkt – wie eine hoch verdichtete Enklave in einem ansonsten locker bebauten Wohngebiet liegt. Die Federführung bei Norwegens erster Plusenergie-Sanierung lag bei einem interdisziplinär besetzten Konsortium, das 2010 auf Initiative der Umweltorganisation Zero und des Aluminiumkonzerns Hydro zusammengekommen war. Beteiligt waren unter anderem die Architekten Snøhetta, der Baukonzern Skanska, der staatseigene Immobilienkonzern Entra (der bei dem Vorhaben als Bauherr fungierte) sowie Asplan Viak, eines der größten Ingenieurbüros des Landes, das die beiden umgebauten Gebäudeteile heute als Mieter nutzt. Hinzu kam ein »Mitspieler«, den man bei der Sanierung eines 30 Jahre alten Gebäudes eher nicht vermuten würde: die Denkmalschutzbehörde. Denn die angrenzende Parkanlage mit ihrem historischen Baumbestand gehört zu einem historischen Gutshof am Meeresufer und wurde während der Planungsphase unter Denkmalschutz gestellt. Um die Ensemblewirkung auch bei der Teilsanierung des Gebäudekomplexes zu erhalten, forderte die Gemeinde, dass weder die Gebäudekubatur noch die Farbe oder Gliederung der Fassaden wesentlich geändert werden sollte. Das »Powerhouse« zeichnet sich deshalb auch durch die Besonderheit aus, dass sich seine hocheffiziente Technik – und die offenen und hellen Büroräume – hinter einem äußeren Erscheinungsbild verbergen, das man auf den ersten Blick eher mit einem Zeitalter der Energieverschwendung und düsterer Großraumbüros assoziiert. Auch die außen liegenden Fluchttreppenhäuser aus weiß gestrichenem Beton aus der Ursprungszeit sind erhalten geblieben. Die einzige wesentliche äußere Veränderung an den beiden Gebäuden ist die Verschalung aus thermisch behandeltem Espenholz, die an die Stelle der einst glatten, dunkel getönten Glasfassaden getreten ist.

Sanierung eines Bürogebäudes in Bærum
Ansicht der beiden sanierten Büroblocks von Südosten © Chris Aadland