Beharrlich haben die Architekten Hild und K in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, unausgesprochene Denkverbote in der Architektur aus dem Weg zu schaffen. Bereits in den 90er-Jahren experimentierten sie mit Fassadenornamenten. Später integrierten sie Spolien historischer Gebäude in Neubaufassaden und schufen eine Architektur, deren Entstehungszeit sich oft erst auf den zweiten Blick entschlüsseln lässt. Zuletzt haben sich Hild und K offensiv einem Thema zugewandt, zu dem viele Architekten in Deutschland ein beinahe schizophrenes Verhältnis pflegen: dem Bauen mit Wärmedämmverbundsystemen. Die wenigsten lieben die Putzfassaden, die beim Klopfen hohl klingen. Doch wer unter Kostendruck bauen und sanieren muss und dabei heutige Energiestandards zu berücksichtigen hat – und wer muss das als Architekt nicht? – hat oft keine andere Wahl, als sie zu verwenden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts und mehrerer eigener Bauten haben sich Hild und K in den vergangenen Monaten damit auseinandergesetzt, wie sich WDVS-Fassaden mit unterschiedlichen Dämmstoffdicken und Putzstrukturen dreidimensional gestalten lassen. Eines dieser WDVS-Pilotprojekte ist das sanierte Abgeordnetenhaus des Bayerischen Landtags im Münchener Stadtteil Haidhausen. Das Landtagsgebäude selbst, 1857 von Friedrich Bürklein errichtet und bis heute jedermann in München als Maximilianeum bekannt, thront nur einen Steinwurf entfernt am östlichen Hochufer der Isar. Das Haus Ismaninger Straße 9 dient seit den 70er-Jahren als eine von zwei Außenstellen des Landtags. Nach der Sanierung beherbergt es 40 Abgeordnetenbüros und drei Besprechungsräume in seinen drei Gebäudeflügeln. Das viergeschossige Hauptgebäude im Osten des Grundstücks datiert vom Ende des 19. Jahrhunderts und wurde zunächst als Hotel und Gaststätte genutzt, bis der Freistaat Bayern es übernahm. In den 80er-Jahren entstanden außerdem ein dreigeschossiger Anbau mit weiteren Büroräumen im Süden sowie ein eingeschossiger Trakt an der Nordseite des Innenhofs. Der blassgelb verputzte Altbau war bis auf ein Gesims über dem Erdgeschoss praktisch schmucklos. Über dem einstigen Hoteleingang an der Ecke schob sich ein Erker in die Straßenkreuzung vor. Das Haus stand nicht unter Denkmalschutz und bot so beste Voraussetzungen für die vom Bauherrn geforderte energetische Sanierung. Dabei wurden die Fenster an allen Gebäudeteilen durch dreifach verglaste, weiß gestrichene Holzfenster ersetzt. Ferner erhielt das einstige Hotel eine Fassadendämmung sowie einen komplett neuen, wärmegedämmten Dachstuhl; die Decke zum unbeheizten Keller wurde unterseitig gedämmt. Der deutlich jüngere Gebäudeflügel im Süden war zur Bauzeit schon recht passabel gedämmt worden. Hier wurde neben dem Fenstertausch lediglich die Putzfassade ausgebessert und neu gestrichen. Der eingeschossige Anbau im Norden hingegen war bereits so marode, dass er komplett weichen musste und neu errichtet wurde.
