Kinder- und Jugendmuseum in Berlin

Statt stiller Andacht herrscht seit kurzem reges Treiben in der Wilhelminischen Eliaskirche am Prenzlauer Berg. Da der unter Denkmalschutz stehende Backsteinbau aus finanziellen Gründen leer stand, sah sich die evangelische Kirche gezwungen, einen neuen Nutzer zu suchen. Unter den Interessenten befanden sich die Betreiber des Kinder- und Jugendmuseums, die die Kirche schließlich für die nächsten 75 Jahre pachteten und nicht nur Umbauten vornahmen, sondern auch zerstörte Holzbalkendecken, Fassaden, Fenster und feuchte Wände instand setzten. Anders als bei einem konventionellen Museum werden die Ausstellungsstücke auch selbst produziert: Kinder und Jugendliche sollen hier basteln, forschen und erkunden. Entsprechend flexibel mussten die Umbauten sein und vielfältige Nutzungen möglich machen. Im Erdgeschoss bietet ein großer offener Bereich Raum für Empfänge, Vorträge und Arbeitsgruppen. Darüber ist eine neue Ebene auf Stützen eingezogen, auf welcher zwei sieben Meter hohe »Spielregale« stehen. Der schmale Zwischenraum lässt die Blickachse vom Eingang zum Altar frei. Über diesen engen Spalt hinweg verbinden Brücken die beiden Kuben. Im Gegensatz zu den geschlossenen Innenseiten öffnen sich die Außenseiten dem Kirchenraum mit einer mäanderförmigen Struktur, die wie eine aufgeklappte Nussschale ihr Innenleben preisgibt. Hier entstehen Nischen, Stufen, Balkone und Tische, die zum Spielen und Basteln einladen. Die Stahl-Holz-Konstruktion ist durchgängig mit Kiefernholz beplankt und auf den offenen Seiten mit einem Seilnetz bespannt. Nur die geschlossenen »Schnittflächen« sind mit Faserzementplatten verblendet und unterstreichen so den Kontrast zwischen »inneren« und »äußeren« Flächen. Im Bereich der Apsis verbindet eine Tribüne Alt und Neu, hier kann Theater gespielt und diskutiert werden. Auch alle anderen Bereiche der ehemaligen Kirche werden z.B. als Shop, Computerraum oder Bibliothek genutzt. So wird sie zu einem neuen lebendigen Anziehungspunkt im Stadtviertel.

Kinder- und Jugendmuseum in Berlin
© Ulrich Schwarz