Für kulturell und architektonisch interessierte Besucher Madrids verbindet der Paseo del Prado die drei wichtigsten Kunstsammlungen der Stadt: das Museum Thyssen-Bornemisza, den von Rafael Moneo ergänz-ten Prado und das von Jean Nouvel erweiterte Museum Reina Sofía. Nun ist eine vier-te kulturelle Institution an die Kulturmeile gezogen: das CaixaForum der katalanischen La Caixa. Die größte Sparkasse Spaniens, die 1980 die im sozialen und kulturellen Bereich tätige Fundación La Caixa ins Leben gerufen hat, unterhält Ausstellungslokalitäten in verschiedenen spanischen Städten. Untergebracht ist der hauptstädtische Ableger nun im seit langem stillgelegten Kraftwerk Mediodía, das einst den Süden Madrids mit Strom versorgte. Im Jahr 2002 konnten sich Herzog & de Meuron mit ihrer Idee für den Umbau des denkmalgeschütz-ten Baus aus dem Jahr 1901 durchsetzen. Das Vorgehen der Architekten war durchaus radikal – und von dem Zwang bestimmt, in, auf und unter dem Volumen des Kraftwerks das Fünffache der bestehenden Bruttogeschossfläche zu realisieren. Die erste Entscheidung betraf die städtebauliche Situation. Herzog & de Meuron eliminierten die zum Paseo del Prado hin bestehende Tankstelle und schufen eine nach Westen hin ansteigende öffentliche Plaza. Diese ist unter dem einstigen Kraftwerk weitergeführt – auf zwei Treppenkernen ruhend, schwebt das Volumen des CaixaForums in der Luft.
