Als die neue Leuchtfassade an einem Märzabend 2007 zum ersten Mal erstrahlte, war das Zentrum für zeitgenössische Kunst CCC in der zentralfranzösischen Stadt Tours kaum wiederzuerkennen. Hatte es zehn Jahre lang ein unscheinbares Dasein in einer ehemaligen Autowerkstatt gefristet, so nimmt es heute selbstbewusst seinen Platz im Stadtraum ein. 150 vertikale Lamellen aus Acrylglas formen einen Bildschirm, der im Zuge der Renovierungsarbeiten außen auf der Bestandsfassade angebracht wurde. Er scheint aus unzähligen Licht-Perlenketten zu bestehen: In einer Nut auf der Rückseite der Lamellen befinden sich mit Leuchtdioden bestückte Silikonbänder. Ihr Licht wird im Inneren der Lamellen weitergeleitet und von den Vorderkanten abgestrahlt, die wellenförmig vor- und zurückweichen. So entsteht eine zweite Schicht aus dynamischen Lichtlinien, welche die Leuchtdioden der hinteren Ebene scheinbar schwebend überlagert, was der Fassade einen räumlichen Charakter verleiht. Sie wirkt wie ein in den Straßenraum projiziertes Hologramm. Frontal erscheint sie als ein Wechselspiel grafischer Linien. Leicht seitlich gesehen faltet sich eine dreidimensionale Landschaft auf. Steht man hingegen parallel zur Fassade, taucht der Blick in einen Raum aus milchigen Schleiern ein. Philippe Chiambaretta konstruiert aus Licht und Leere eine Schnittstelle, an der die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum fließend werden. Damit dieses visuelle Schauspiel richtig wirken kann, bedarf es eines neutralen Hintergrunds. Die bestehenden Wandelemente und Fassadenprofile erhielten deshalb einen einheitlichen schwarzen Anstrich, während alle Glasflächen von innen mit einer dunklen, aber transluzenten Folie beklebt wurden. Deren Lichtdurchlässigkeit nimmt zur Scheibenmitte hin zu. Nach Einbruch der Dunkelheit zeichnen sich die verglasten Bereiche als helle Flecken auf der Fassade ab, deren verschwommene Umrisse mit der Lichtmischung der Umgebung verschmelzen.
