Bogenschießhalle in Tokio

»Kyudo«, die traditionelle Kunst des Bogenschießens, hat in Japan einen kulturell sehr hohen Stellenwert. So ist es wenig verwunderlich, dass die Technische Universität »Kogakuin« im Westen von Tokio für ihren Campus den Bau einer Bogenschießanlage beauftragte. Vorgabe des Bauherrn war ein kostengünstiges Tragwerk aus regionalem Holz, das einen stützenfreien Raum von 7,20 × 10,80 m überspannt. Deshalb entwickelten die Ingenieure ein feingliedriges räumliches Stabwerk aus japanischen Zypressenhölzern, die ursprünglich für die Möbelherstellung vorgesehen waren. Dank eines engen räumlichen Rasters von 60 × 60 × 60 cm konnten die einzelnen Stäbe des Tragwerks sehr schlank dimensioniert werden. Die Dachsparren bestehen aus jeweils zwei 120 × 36 mm starken miteinander verschraubten Brettern. Zwischen diesen Brettern sitzen im Raster senkrechte Bündel aus jeweils vier Hölzern von 36 × 36 mm. Diese umschließen in vorgefertigten Auskantungen sechs im Rasterabstand übereinanderliegende waagrechte Latten von 24 × 50 mm. So entsteht im Querschnitt ein stabiler Dreiecksrahmen. Hintereinander aufgestellt wurden diese Rahmen mit Stahlwinkeln auf die Ringbalken montiert und anschließend mit 12 × 50 mm starken in Gebäudelängsrichtung laufenden Holzstäben verbunden. Diese führen durch alle Knotenpunkte der waagrechten und senkrechten Stäbe der Dreiecksrahmen und sind dort mit Schrauben fixiert. Die aufgebrachte Dachhaut besteht aus einem verzinkten Stahlblech und einer Sperrholzplatte mit Bitumenbeschichtung. Die Wände des Holzständerbaus sind außen mit dunkel lasiertem Zedernholz und innen mit Gipskartonplatten verkleidet. Trotz starker Präsenz des Dachstuhls unterstreicht er dank seiner Filigranität die Offenheit des Raumes.

Bogenschießhalle in Tokio
© Shigeo Ogawa