Ortszentrum in Visegrád

 - Jakob Schoof

Das 40 Kilometer nördlich von Budapest an der Donau gelegene Visegrád ist Grenzstadt, frühere königliche Grenzbefestigung und mit seinen 1800 Einwohnern seit 2000 die vermutlich kleinste Stadt Ungarns. Bis heute erinnern alljährlich die Palastfestspiele – ein Ritterturnier nach mittelalterlichem Vorbild – an Visegráds frühere Bedeutung. Nach der Jahrtausendwende hatten die Stadtväter große Pläne zur Neugestaltung des Ortszentrums rund um die Donauwiese, die als Schauplatz der Festspiele dient. 2008 lobten sie einen Architektenwettbewerb aus, den das Büro aplusarchitects gewann. Die internationale Finanzkrise ließ das Budget und damit das Bauprogramm jedoch bald drastisch schrumpfen. Realisiert wurden letztlich nur ein neuer Veranstaltungspavillon sowie die Erweiterung des örtlichen Gesundheitszentrums durch ein offenes Treppenhaus zum Dorfplatz hin. Neubau und Erweiterung korrespondieren in Form und Material miteinander: Es sind langgestreckte, scheunenartige Satteldachbauten mit einer Fassadenverkleidung aus Lärchenholz. Während diese beim Treppenhaus als offene Lamellenhülle auf die Unterkonstruktion geschraubt ist, differenzierten die Architekten die Fassaden am Pavillon nach Funktionen. Die Gebäudeenden erhielten eine geschlossene, wärmegedämmte Hülle und beherbergen auf der einen Seite Umkleiden und Duschen sowie auf der anderen die öffentlichen WCs. Vier der zehn Joche in der Gebäudemitte bilden eine offene Halle, die wie ein Tor zwischen Fluss und Ortskern vermittelt. Die übrigen sechs Joche sind mit Flachdecken und Beleuchtung ausgestattet und bilden einen Veranstaltungsraum, der sich durch große »Scheunentore« ein- oder beidseitig ins Freie öffnen lässt. Im offenen Zustand werden diese Tore zwischen den Doppelstützen geparkt, die das Dach des Holzskelettbaus tragen. In der Halle verbanden die Architekten die Doppelstützen durch eine Bretterverschalung zu Wandscheiben, die nahezu ansichtsgleich mit den geöffneten Toren sind.

Ortszentrum in Visegrád
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