Magazin: Sanierung einer Wohnzeile in Neu-Ulm

2012 lobte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) den Wettbewerb »Effizienzhaus Plus im Altbau« aus. Sein Ziel: vier Mehrfamilienäuser aus dem Jahr 1938 auf Plusenergieniveau zu sanieren. Aus dem Wettbewerb gingen zwei Siegerteams hervor, die je eine komplette Häuserzeile bearbeiteten.

Magazin: Sanierung einer Wohnzeile in Neu-Ulm
© Eibe Sönnecken

Das Konzept von o5 architekten, der ina Planungsgesellschaft und der TU Darmstadt zielte darauf ab, den Charakter der Bestandsbauten weitestmöglich zu erhalten. Die Traufhöhen und Dachneigungen blieben unverändert; die Fassaden erhielten einen weißen Filzputz sowie Schiebeläden und Balkone aus Lärchenholz. Auf der Gebäuderückseite im Norden fügten die Architekten zweigeschossige Anbauten in Holzrahmenbauweise an, um zusätzliche Wohnfläche zu schaffen. Die zuvor einheitlichen Dreizimmerwohnungen sind dadurch einem vielfältigeren Wohnungsmix mit Größen von zwei bis vier Zimmern gewichen. Die Obergeschosswohnungen reichen als Maisonettes bis unter das Dach. Hier ließen die Architekten teilweise die Geschossdecken entfernen, sodass die Deckenbalken offen liegen. Sie erhielten ebenso einen weißen Anstrich wie der Dachstuhl, der, soweit erforderlich, zimmermannsmäßig verstärkt wurde. Wo dies möglich war, ließen die Architekten auch die alten Dielenböden aufarbeiten. In den Wohn- und Essbereichen wurden die Zwischenwände in der Gebäudemitte entfernt, sodass hier nun erstmals ein »Durchwohnen« in Nord-Süd-Richtung möglich ist.

Der Transmissionswärmeverlust der komplett neu gedämmten Gebäudehülle beträgt nur 0,26 W/m²K − das sind 60 % weniger, als die Energieeinsparverordnung maximal gestattet. Die Bestandswände wurden außen mit 20 cm Mineraldämmplatten versehen und erhielten neue, dreifach verglaste Fenster. Die Gebäudehülle der Anbauten im Norden erreicht nahezu Passivhausqualität. Im Dach wurden die Sparren aufgedoppelt und ihre Zwischenräume mit 24 cm Zellulose sowie 4 cm Holzweichfaserplatten gedämmt. Auf der Südseite ist das Dach fast komplett mit monokristallinen Hocheffizienz-Photovoltaikmodulen eingedeckt. Einzige Ausnahme: die Dachfenster, die maßlich exakt mit den Solarmodulen korrespondieren. Die Nordhälfte des Dachs erhielt eine anthrazitgraue, etwas kleinteiligere Eindeckung aus Dachsteinen.

Zwei unterschiedliche Systeme versorgen die Häuser mit Heizwärme und Warmwasser. Zur Beheizung dient eine zentrale Sole/Wasser-Wärmepumpe, die die Umweltwärme aus dem Erdreich über 30 Helixsonden nutzt.
Warmwasser liefern hingegen dezentrale Abluft-Wärmepumpen. Sie fungieren gleichzeitig als Abluftanlagen für die einzelnen Wohnungen, sodass in den Häusern kaum noch Lüftungsleitungen erforderlich waren. Die Zuluft strömt über Ventile in den Außenwänden in die Räume und wird von den dort angebrachten Niedertemperaturheizkörpern direkt erwärmt.

Architektur
o5 architekten raab hafke lang
Standort
Neu-Ulm (DE)

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