Landwirtschaftsschule in Cochabamba

 - Heide Wessely

Lehre und Praxis zu verbinden ist in der Architekturausbildung seit jeher ein gängiges Prinzip. Ein richtiges Gebäude zu realisieren aber geht weit über das geforderte Baustellenpraktikum hinaus. Dass sich Lehrstühle vermehrt in der Entwicklungshilfe engagieren, ist eine sehr positive Entwicklung. So erhalten Studierende die Möglichkeit, Projekte zu erarbeiten, die auch gebraucht und gebaut werden. Die Landwirtschaftsschule in Bella Vista, ein kleines Dorf im bolivianischen Hochland, ist ein solches Projekt. 40 Studierende der TU Berlin waren daran beteiligt; von der Grundlagenermittlung über die Entwurfs- und Ausführungsplanung bis hin zum Bau mit eigenen Händen. Geschaffen haben sie ein Gebäude, das die traditionelle Bauweise der Region aufgreift, mit mächtigen selbsttragenden Massivwänden und einem leichten doppelschaligen Blechdach. Diese Bauweise trägt dem extremen Klima Rechnung: Die Mauern wirken als Speichermasse, die Hinterlüftung des Dachs dient der Kühlung und dämpft den Schall des Regens. Zudem sind die nach Norden ausgerichteten Sheds mit Photovoltaikpaneelen bestückt, die nach Süden zeigenden Fenster sorgen für eine gleichmäßige indirekte Belichtung der Räume. Sie sind jeweils paarweise angeordnet und durch einen überdachten Freibereich gleicher Größe verbunden. Schiebetore mit eingewebten Bambusstreifen verschatten und verschließen die offenen Bereiche. Ebenso können semitransparente Falt-Schiebe-Wände in den Seitenwänden der Räume komplett geöffnet oder geschlossen werden und ermöglichen ein breites Spektrum an Nutzungen.

Landwirtschaftsschule in Cochabamba
© Andreas Rost