- Frank Kaltenbach
Auf den Berggipfeln der chilenischen Atacama-Wüste blicken die Teleskope der europäischen Südsternwarte ESO ins All, ihre Daten laufen in der Hauptverwaltung in Garching zusammen. Der charaktervolle Bestandsbau von Fehling + Gogel aus den 1980er-Jahren löst sich mit seinen konkav geschwungenen Büroriegeln von der orthogonalen Struktur des Wissenschaftscampus und streckt sich der Landschaft der Isarauen entgegen. Mit ihren kreisförmigen Erweiterungsbauten nehmen Auer Weber die Geometrie des Bestandsgebäudes sowie den Landschaftsbezug auf und interpretieren sie neu. Der Besuchereingang erfolgt nach wie vor über die zentrale Rampe, die geradewegs ein Geschoss hinauf in die Halle des Bestandsgebäudes sticht. Dieser Weg ist nun um einen verglasten Brückenbau verlängert, der sich teilt und zu den beiden Erweiterungsbauten führt: Der freistehende Zylinder des Werkstattgebäudes mit Rechenzentrum und Montagehalle ist komplett mit schwarzem Lochblech bekleidet und ruht fest auf dem Boden, während das Verwaltungs- und Kongressgebäude wie drei miteinander verschmolzene Zylinder erscheint, die über dem Boden schweben. So ergeben sich auf Geländeniveau zu den begrünten Erholungsflächen eine überdachte Vorfahrt mit Stellplätzen sowie der Mitarbeitereingang durch die dreigeschossige Halle des Konferenzzentrums. Da ihre Arbeit höchste Konzentration erfordert, arbeiten die 270 Wissenschaftler überwiegend in Einzelbüros, die entlang der Außenseite und um zwei runde Innenhöfe angeordnet sind. Während die äußere Fassade durch erkerartige Kastenfenster mit seitlichen Lüftungsklappen plastisch gestaltet ist, sind die Hoffassaden einschalig und glatt. Eine Bürozelle erstreckt sich über zwei Fassadenfelder von 1,45 m Breite. Im 2. Oberschoss ist jede zweite Trennwand als radialer wandhoher Stahlbetonträger ausgebildet. Über dieses Ringtragwerk ist die 4,60 m weite Auskragung über dem Erdgeschoss abgehängt (s. DETAIL structure 2/2016, S. 30ff.).
