- Claudia Fuchs
Das Kanin-Massiv an der slowenisch-italienischen Grenze bei Bovec ist ein beliebtes Wander- und Skigebiet. Auf einem Sattel auf 2260 m Höhe schimmert inmitten der Felslandschaft ein kleiner, schmaler Baukörper – ein Biwak, das in den Wintermonaten, wenn die benachbarte Berghütte geschlossen ist, als einfachste Unterkunft dient und Schutz bietet. Die Biwakbox ist dem hochalpinen Klima mit Stürmen, starken Temperaturunterschieden und großen Schneemengen ausgesetzt. Sie ist einer von mehreren Prototypen, mit denen die Architekten das Bauen in extremen klimatischen Bedingungen erforschen und Form, Konstruktion und Materialien testen. Die Mini-Hütte am Kanin ist ein kompaktes, nur 2,40 m breites und 4,90 m langes, aluminiumverkleidetes Volumen aus Holz. Es ist mittels Stahlplatten im Betonfundament verschraubt und zusätzlich durch sechs Stahlseile gesichert. Die Hälfte des Baukörpers kragt über die Felswand aus, seine talseitige Schmalseite ist großflächig aufgeglast. Das Innere bietet auf einer Fläche von nur 10 m² zwei räumlich differenzierte Bereiche: Bänke und Ablagefläche im vorderen Teil sowie daran anschließend drei Plattformen mit Schlafplätzen für bis zu neun Personen. Durch das festverglaste Panoramafenster kann man von dort im Liegen den Ausblick genießen, der an klaren Tagen bis zur Adria reicht. Die 6 cm starken Dreischichtplatten, deren Oberfläche nur geschliffen ist, vermitteln eine warme, angenehme Raumatmosphäre. Für die natürliche Querlüftung sorgen öffenbare perforierte Elemente im Boden und an der Oberkante der gegenüberliegenden Wand.
