Die größte Sehenswürdigkeit des elsässischen Marmoutier ist die Abteikirche des ehemaligen Klosters, das im 5. Jahrhundert gegründet wurde. Eine denkmalgeschützte Mauer umfriedet dessen ehemalige Gärten. Der neue Kindergarten ist in dieses Gelände integriert, daher war vorgegeben, die Traufhöhe unterhalb der Mauerkrone zu halten. Die Architekten reagierten mit einer skulpturalen Faltung des Dachs auf die Forderung, denn so bleibt die niedrigste Stelle unterhalb der Einfriedung, während der Bau andernorts an Raumhöhe gewinnt. Die Außenanlagen knüpfen mit Obstbäumen, natürlichen Materialien wie Sandböden und Zäunen aus Weidengeflecht an die Umgebung an, die kupferverkleideten Fassaden fügen sich farblich unauffällig ein. Im Inneren zeichnet die Decke die Form des gefalteten Dachs nach. Die geneigten Flächen haben nicht nur akustische Vorteile, das komplexe dreidimensionale Raumvolumen schafft Zonen unterschiedlichen Charakters, die den Kindern helfen, sich mit ihren Räumen zu identifizieren. Unterstützt wird dieses Konzept durch vier Farbflächen, die sich aus der modifizierten und gedrehten Projektion der Dachflächen auf den Grundriss ergeben. Die Farben laufen über Wände, Decken und Böden, erweitern und verbinden verschiedene Bereiche. Die große Halle im Zentrum der quadratischen Grundfläche macht das Gebäude transparent und offen. Von hier aus haben Kinder und Betreuer rundherum Sichtbezüge nach außen. Nur durch drei Stufen getrennt grenzt der Bewegungsraum an, sodass die Raumeinheit vor allem bei schlechtem Wetter ausreichend Platz zum Spielen und Toben bietet. Zudem kann die Halle für vielerlei Veranstaltungen und Aktivitäten zusammen mit den Bürgern von Marmoutier genutzt werden: Hier können Vorträge, Theatervorstellungen und andere Vorführungen stattfinden. Die Halle erschließt das gesamte Gebäude, sodass es ohne enge Flure auskommt und auch dann, wenn die Eltern ihre Kinder abholen, keine Engpässe entstehen. Vor den Gruppenräumen zonieren kleine Garderobenbereiche die Eingänge. Alle fünf Zimmer sind dank der beiden Innenhöfe jeweils zweiseitig belichtet und direkt mit dem Außenraum verbunden. Die Höfe bringen Licht, Luft und Wärme ins Gebäudeinnere. In einem davon bedeckt ein Wasserbecken den Boden, das Fische und Insekten beheimaten soll, im anderen sorgt feiner Sand für sinnliche Eindrücke. Die Patios, die Querlüftungen ermöglichen, sind Teil des Klimakonzepts, zu dem auch ein Erdkanal gehört, der im Winter die Luft vorwärmt und im Sommer kühlt. Die angeschlossene Fußbodenheizung macht die großen Bodenflächen aus gefärbten Beton überall angenehm bespielbar.
