Konservatorium und Tanzakademie in Belfort

 - Frank Kaltenbach

Messerscharf geschnitten sind die Ecken und Kanten der Kuben aus selbstverdichtendem Beton. Durch den Verzicht auf jegliche Attikableche und Fugen wirkt die Tanz- und Musikschule in Belfort wie eine abstrakte Skulptur zwischen Stadt und Landschaft. Den Architekten erschien eine graue Sichtbetonoberfläche zu steril, so ließen sie die Gebäudehülle von Künstlern mit einer Camouflage-Struktur überziehen, die mit dem Astwerk des benachbarten alten Baumbestands und dessen Schattenwurf korrespondiert. Die künstlerische Reverenz bilden die Drip Paintings aus den 1960er-Jahren, bei denen Jackson Pollock Farbe auf die am Boden liegende Leinwand tropfen ließ. Um die vertikalen Wände und Deckenuntersichten von Hubsteigern aus gleichmäßig bewerfen zu können, entwickelten die Künstler eigene pinselartige Werkzeuge. Während die zur Umgebung weisenden Fassaden mit einem Netz aus zwei verschiedenen Blautönen auf grauem Sichtbeton überzogen wurden, ist in den eingeschnittenen Innenhöfen das Prinzip umgekehrt. Hier, wo sich laut Architekt die gesamte Energie des Gebäudes verdichtet, ist der Beton schwarz grundiert und mit einem weißen Farbbewurf überzogen. Innen wurde auf die künstlerische Schicht verzichtet: Graue Sichtbetonflächen bilden den neutralen Hintergrund zu den Öffnungen, die wie Bilder über die Wände verteilt sind und die introvertierte Eingangshalle durch Aus- und Durchblicke mit den angrenzenden Räumen, Höfen, Terrassen und dem Himmel verbinden. Wie über Zuschauerränge schreitet man von hier unter der Leuchtdecke in die Obergeschosse, bis zum zweigeschossigen Tanzsaal, der mit seinem großen Schaufenster expressiv über den Sockelbau auskragt und die historische Zitadelle von Belfort ins Visier nimmt. In akustisch relevanten Bereichen bekleiden individuell perforierte, schräg gestellte Leichtbaudecken und -wände die Innendämmung der Stahlbetonkonstruktion und verleihen jedem der 32 Einzelunterrichtsräume einen individuellen Ausdruck.

Konservatorium und Tanzakademie in Belfort
© Eugeni Pons