Seit 1996 sind sie Kopenhagens ungewöhnlichster Ausstellungsraum bestehend aus drei großen Sälen fast ohne Tageslicht, durchzogen von langen Reihen mächtiger Pfeiler und Ziegelbögen. Die Temperatur liegt hier ganzjährig um die 9 °C, die Luftfeuchtigkeit beträgt 100 % und der CO2-Gehalt der Luft ist fünf- bis zehnmal höher als im Freien.
Für traditionelle Kunstausstellungen sind diese Bedingungen eine Herausforderung. Für Hiroshi Sambuichi waren sie der perfekte Ausgangspunkt, um seine künstlerische Vision zu verwirklichen: »In meiner Arbeit als Architekt versuche ich immer die Schönheit eines bestimmten Ortes hervorzuheben. Dafür untersuche ich die sich bewegenden Materialien eines Ortes — das sind vor allem Sonne, Luft und Wasser.« Für dieses Studium der Naturphänomene brauche man Zeit, sagt Sambuichi: Vier Jahreszeiten der Beobachtung seien erforderlich, bis man einen Ort wirklich verstanden hat. Die enge Verbindung zwischen Naturphilosophie, Spiritualität und Ästhetik bewegt sich in einer jahrtausendealten japanischen Tradition. In der traditionellen japanischen Kunst war nie die Schaffung künstlicher Welten das höchste Ideal, sondern die perfekte Ordnung natürlicher Elemente und eine gesteigerte Naturwahrnehmung. Um sie zu erreichen, braucht es mitunter nur wenige ästhetische Mittel. Einige davon hat Sambuichi aus der traditionellen japanischen Landschaftsarchitektur entlehnt und in seine Installation integriert, die sich mit den Jahreszeiten stets verändert.
Der Architekt entschloss sich, den unterirdischen Ausstellungshallen zwei der Elemente zurückzugeben, die dort lange ausgeschlossen waren: Wasser und Tageslicht. Dazu ließ er die alten Zuleitungen öffnen und flutete die Räume. Auf überdachten Stegen aus japanischem Zypressen- und Zedernholz wandeln die Besucher knapp über den spiegelnden Wasserflächen. Gleich zu Beginn des Rundgangs führt sie ein Korridor durch die Dunkelheit. Am Ende des 80 m langen Gangs schimmert ein heller Lichtfleck auf, der langsam größer wird (C). Es ist Tageslicht, das Sambuichi geschickt mithilfe mehrerer Spiegel durch zwei Lüftungsöffnungen in die hinterste der drei Hallen lenkt. Durch die Spiegel, das Licht und das Wasser entstehen einerseits Sichtbeziehungen, die den Raum für den Besucher zunehmend wahrnehmbarer machen (D). Andererseits experimentiert Sambuichi in dieser Halle auch mit den Eigenschaften des Wassers: Je nach Intensität des Lichteinfalls verdunstet es, steigt auf und verwandelt sich an den kühleren Decken in feinen Sprühregen, in dem sich wiederum das Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben bricht. Während der Sommersonnenwende trifft das Licht auf ein sonst unscheinbares Element: Per Boot können Besucher einen Schrein ansteuern und die Ausstellung aus der Wasserperspektive erleben. Zusammen mit einem Torbogen aus Schilf, dem sogenannten chinowa, thematisiert Sambuichi hier Motive und Rituale aus der shintoistischen Religion (B).
In der mittleren der drei Kavernen bezieht sich Sambuichi auf für ihn persönlich wichtige Orte seiner Heimat. Eine hölzerne Bogenbrücke, die von Lampions erhellt wird, überspannt das Wasser. Sie ist von der Kintai-Brücke im Süden Japans inspiriert, die als eines der schönsten Brückenbauwerke des Inselstaats gilt. Auch die 40 m² große, moosbewachsene Insel (F, G) hat ihre gedanklichen Wurzeln in seiner japanischen Heimat an der Seto-Inlandsee mit ihren Inselarchipelen.
Direkt über der Insel öffnet sich eine weitere Tageslichtöffnung und schafft die Voraussetzung für das Moos, um wachsen zu können. Auch dieser Teil der Installation hat einen tieferen philosophischen Hintergedanken, denn er verweist auf die lebenserhaltende Symbiose zwischen Menschen und Pflanzen. Ein Glaskubus thront auf der Mooslandschaft und macht mithilfe von CO2-Messgeräten den Einfluss der Pflanzen auf das unterirdische Klima ablesbar.
Im letzten der drei Säle, kurz vor dem Verlassen der Ausstellung, blicken die Besucher gewissermaßen in die Vergangenheit. Vor ihnen scheint ein Bild des Schlosses Frederiksberg im Halbdunkel auf (siehe Seite 21). Eine Camera Obscura (E) projiziert es mithilfe zweier großer Umlenkspiegel in den Untergrund. Es gehe ihm darum, den Menschen die Schönheit der Orte, an denen sie leben, neu vor Augen zu führen, sagt Sambuichi. Diesem Prinzip folgt er nicht nur mit dieser sehr persönlichen Rauminstallation, sondern mit all seinen Gebäuden.AO/JS






