- Sabine Drey
Auf den ersten Blick wirken die beiden weiß getünchten Wohnbauten in der Provinz Badajoz wie eine moderne Interpretation der einfachen traditionellen Häuser der Region. Auf den zweiten Blick erweisen sie sich jedoch als äußerst komplexes Geflecht aus Innenhöfen, verschachtelten Volumina und räumlichen Versprüngen. Die beiden Grundstücke liegen sich leicht versetzt gegenüber, eines am Ende einer Häuserzeile, das andere in einer amorphen Baulücke. Das Straßenniveau differiert innerhalb eines Grundstücks um 4 m. Die Vorschriften für die öffentlich geförderten Wohnbauten legten Gebäude mit geneigten Dächern fest, möglichst eingeschossig, mit einer Nutzfläche von maximal 80 m². So ergaben sich fünf kleine Einheiten mit ein bis zwei Geschossen. Wie fast alle Wohnhäuser in der Extremadura mit extremen Temperaturen im Sommer und Winter verfügen auch diese über je einen innenliegenden Patio, zu dem sich die Wohnräume orientieren. Der Architekt konzipierte die Höfe als erweiterte Wohnfläche und reduziert die Bedeutung der Straßenfassade auf die Funktion der Querlüftung. Als Lüftungselement setzt er eine gemauerte Gitterschale ein, die vor die Fenster gesetzt die Räume zusätzlich verschattet. Das Motiv taucht überall im Gebäude wieder auf und sorgt neben den weiß verputzten Ziegelmauern für das erwünschte einheitliche Erscheinungsbild der gesamten Anlage. Die einfache, regional übliche Konstruktion mit Beton-Hohlsteindecken, Ziegelmauern und Dachfliesen half dabei, die Kosten für die Sozialwohnungen niedrig zu halten. Der Dachboden und die doppelschaligen Ziegelmauern sorgen für den nötigen Wärme- und Kälteschutz. Schräge Einschnitte an Türen und Fenstern und das Zickzack der Dächer verleihen dem weißen Volumen eine skulpturale Plastizität und passen es an die kleinteilige Umgebung an.
