- Frank Kaltenbach
Block Nr. 12 ist der bisher einzige von insgesamt 18 identischen Gebäuderiegeln der Sozialsiedlung, der komplett entkernt und neu gestaltet wurde. Geschosshohe Durchbrüche im Erdgeschoss und eine durchgesteckte Gemeinschaftsloggia im zweiten Obergeschoss schaffen eine neue Durchwegung des Quartiers und geschützte Freibereiche als Treffpunkte der Bewohner. Den Architekten ging es nicht nur darum, die Wohnungen technisch zu ertüchtigen, sondern das gesamte Umfeld räumlich und architektonisch aufzuwerten. Der Stadtteil Camp Redó, von den Einheimischen Korea genannt, ist ein sozialer Brennpunkt in Palma de Mallorca. Wo zuvor freie Felder den Stadtrand markierten, ließ Franco 1954 einen gesamten Straßenblock mit Mietskasernen überbauen - ohne Grünflächen oder Quartiersplatz für die Bewohner. Die Bauten aus Stahlbetonskelett mit Ziegelausfachung wurden ohne große Sorgfalt in kürzester Zeit hochgezogen. Defekte Sanitäranlagen, stickige Treppenhäuser und Straßenräume ohne jede Aufenthaltsqualität prägen seit Jahren das Bild. Block Nr. 12 ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der 2008 ausgeschrieben wurde. Er zeigt, wie die maroden 40,70 × 6,90 m großen Riegel in eine gestalterisch hochwertige Architektur mit hohen sozialen Qualitäten verwandelt werden könnten: Außer der Tragstruktur blieben nur das Dach und die Außenwände erhalten. Dünne Verbunddecken schaffen mehr lichte Höhe. Faltwände, die eine flexible Raumaufteilung der kompakten Grundrisse ermöglichen, lassen die Wohnung größer erscheinen. Aufzüge und Tageslicht in den Treppenhäusern erleichtern die Zugänglichkeit und fördern die Kommunikation mit den Nachbarn. Der Bau behält die Fassadengliederung des ursprünglichen Zustands bei: Die weißen Putzfassaden auf einem Sockel aus grau schimmerndem Wellblech wirken diskret verschlossen. Faltläden schützen die 19 Wohnungen vor Hitze und den Blicken der Nachbarn. Vor den Wohn- und Esszimmern sind sie perforiert, vor den Schlafzimmern opak. Die Gebäudehülle wirkt noch lebendiger, wenn im Erdgeschoss die Schiebeläden hinter die Blechfassade geschoben und in den Geschossen darüber die Faltläden aufgeklappt werden. Eine Sanierung der Nachbarbauten blieb bisher aus. Durch den Abriss zweier Riegel entlang der engen Straße, die mittig durchs Quartier läuft, ist preiswerter Wohnraum verloren gegangen. Durch die dort neu entstandene Avenida ist der öffentliche Raum in Korea jedoch seitdem etwas großzügiger.
