- Jakob Schoof
Nur noch die Apsis, die Eingangsfassade und Teile der Längswände aus braunem Sandstein waren von der gotischen Kirche von Vilanova de la Barca übrig, nachdem sie 1936 im spanischen Bürgerkrieg von Bomben getroffen worden war. Erst 73 Jahre später beschloss die katalanische Gemeinde, die Kirchenruine als Mehrzwecksaal für Veranstaltungen instand zu setzen. Bei ihrem Entwurf setzten die Architekten auf eine klare farbliche Differenzierung zwischen Alt und Neu: Die Dachbinder aus Stahl, die Fensterlaibungen und -rahmen sowie das ergänzte, zweischalige Mauerwerk sind allesamt weiß gehalten. Die äußere Wandschale besteht aus durchgefärbten Vollziegeln, die teils mit leichten Vor- und Rücksprüngen versetzt sind. Vor den Fenstern läuft die äußere Ziegelschicht als Filtermauerwerk durch, um ein homogenes Erscheinungsbild der Gebäudehülle zu wahren und das Gebäude dennoch natürlich zu belichten. Diese Konstruktion lässt sich als zeitgenössische Interpretation der historischen Fenstergitter aus Naturstein lesen, die an den präromanischen Kirchen Nordspaniens öfter zu finden und dort als Transenna bekannt sind. Im Traufbereich und an der ebenfalls ergänzten, westlichen Giebelfassade wurden die statisch notwendigen Ringbalken aus Beton mit einem glatten Verblendmauerwerk verkleidet. Im Gebäudeinneren erhielt der Beton einen weißen Anstrich.
