- Sabine Drey
Zahlreiche Wasseradern durchziehen das flache Westmünsterland nahe der niederländischen Grenze. Dazu zählt auch der Fluss Berkel, an dessen Flussauen im mittelalterlichen Stadtkern von Vreden das neue kulturhistorische Zentrum entstand. Der langgestreckte Baukörper setzt die kleinteilige, geschlossene Bebauung entlang der ehemaligen Stadtmauer fort. Die Südseite orientiert sich zu den Auen und steht teilweise auf Bohrpfählen im parallel zum Fluss verlaufenden wasserführenden Stadtgraben. Die andere Seite öffnet sich mit einem markanten Kopfbau zu einem Platz und zur schräg gegenüberliegenden Stadtbibliothek. Bei ihrem Entwurf standen Pool Leber Architekten vor der Aufgabe, unter einem Dach Bestandsbauten unterschiedlicher Epochen zu vereinen. Neben den beiden Gebäuden des Museums für Regionalgeschichte aus den 1970er- und 80er-Jahren, die jetzt als Museumsverwaltung sowie Stadt- und Kreisarchiv dienen, standen auf dem Grundstück ein Armenhaus aus dem 16. Jahrhundert und der aus dem 14. Jahrhundert stammende Pulverturm als ältester Profanbau in der Stadt. Die Architekten verbanden die Bestandsbauten, fügten einen Neubau für das Museum hinzu und sanierten die mittelalterlichen, denkmalgeschützten Gebäude als Exponate der kulturhistorischen Ausstellung. Eine einheitliche Verkleidung aus kohlegebranntem Klinker fasst den alten und den neuen Museumsbau zu einer Einheit zusammen. Versatzstücke aus dem Bestand wie Gesimse oder Pilaster tauchen darin in neuer Interpretation wieder auf. Variierende Dachformen und Versprünge, aber auch die abgestuften Farbtöne der Ziegel, die durch unterschiedliche Brenntemperaturen entstehen, heben die Nutzungen subtil voneinander ab.
