Kulturzentrum in Dhahran

 - Jakob Schoof

Wenn Gebäude ihre formalen Vorbilder aus der Natur, aber ihre Baumaterialien aus der Industrie beziehen, ist bei der Detailgestaltung besondere Sorgfalt erforderlich. Beispielhaft gelöst haben die Architekten von Snøhetta diese Aufgabe beim King Abdulaziz-Zentrum für Weltkulturen in Dhahran, das sie im Auftrag des saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco entworfen haben. Die fünf oberirdischen Baukörper gleichen von Sand und Wind rundgeschliffenen Felsbrocken, die ein feines, an Fingerabdrücke erinnerndes Linienmuster aus gebogenen Edelstahlrohren überzieht. Sie verleihen dem Gebäude einen sanft schimmernden Glanz, vermeiden jedoch grelle Lichtreflexionen, die eine flächige Blechverkleidung mit sich gebracht hätte. Außerdem verschatten die Röhren die dahinter liegende, thermische Hülle des Gebäudes und wirken durch ihre Hinterlüftung einer Überhitzung entgegen. Zwischen den 76 mm starken Rohren bleibt jeweils ein Luftspalt von rund einem Zentimeter frei - groß genug für die Durchlüftung und doch schmal genug, um das Bild einer geschlossenen Hülle zu erzeugen.

Kulturzentrum in Dhahran
© Diemo Schillack/seele