Städtebaulich ist er Teil eines Häuserblocks, bei dem die zwei nach Norden gewandten, rechtwinklig zueinander stehenden Wandscheiben aus Beton, die mit Öffnungen nur vereinzelt durchbrochen sind, in ihrer Sockelzone gleichzeitig die Brandwände zur Nachbarbebauung bilden. „Tetris“ wird der Turm im lokalen Volksmund genannt, dank seiner charakteristischen Fensteröffnungen in den Betonwänden und der abgeschnittenen Turmspitze. Der 2016 nach achtjähriger Bauzeit eröffnete Bau besetzt das erweiterte südwestliche Eckgrundstück des Paseo de la Reforma mit der Calle Río Elba. Unter der gleichen Adresse erreicht man einen spätkolonialen Sandsteinbau aus dem Jahr 1929, der unter Denkmalschutz steht und der im Zuge der Baumaßnahmen, um einige Meter verschoben wurde. So blieb das Bauwerk vollständig erhalten und wurde zur Eingangshalle des Torre Reforma umgenutzt. Oberhalb seines von einer Attika umrahmten Flachdaches spannt sich jetzt diagonal die Glasfassade des Hochhauses. Bleibt man in der Buchmetapher, kann man diese als den Blattschnitt betrachten. Das obere Viertel des prismatischen Turmschaftes ist schräg so abgeschnitten, dass sich nordostseitig eine geneigte Dach- bzw. Fassadenfläche ergibt. Der Rohbau der Wandscheiben sowie die geneigte Flanke der Turmspitze wurden aus Stahlbeton in Kletterschalung erstellt und 60 m tief in den Erdboden gegründet.
Winkelzug gegen Erdbeben
Im rechten Winkel der beiden Wandscheiben sind 13 dreieckige Stahlbetonplatten waagerecht eingespannt, die den Bau zusätzlich aussteifen. Diese, das Hochhaus auch formal gliedernden Horizontalen sind alle vier Geschosse angeordnet und auch an der Fassade ablesbar. Die Ebenen dazwischen sind mit markanten Diagonalstreben von den beiden Hauptwandscheiben abgehängt. Als dämpfendes Konstruktionselement erhöht die eingehängte Stahlkonstruktion zugleich die Erdbebensicherheit. Dessen Bauweise erinnert an einen menschlichen Rumpf, bei dem das Rückgrat den Brustkorb trägt und die Rippen die Gewichtskräfte dorthin übertragen; äußere Erschütterungen werden zudem wie Stoßdämpfer abgefedert. In fünf Bereichen fügte der Architekt zwischen den aufrecht stehenden Wandwinkel auf der Nordseite keine geschlossenen Geschossebenen ein. Die unterste dieser „Leerstellen“ definiert den Sockel, in dem der denkmalgeschützte Altbau als neuer Eingang sitzt. Darauf folgen drei Terrassenebenen, von denen die mittlere eine doppelte Geschosshöhe aufweist. Die obere, fünfte Terrasse füllt die Turmspitze aus und ist geprägt von der nach Nordosten gewandten Pultdachuntersicht. Die Rückwand — der andere Schenkel des über 200 m hohen Wandwinkels — bildet den Ortgang zwischen Pultdachtraufe und First an der südwestlichen Turmkante. Mit dem Internationalen Hochhauspreis würdigte die Stadt Frankfurt nicht zuletzt auch den nachhaltigen Ansatz des Torre Reforma.






