Mit rund einem Dutzend neuer Hochhäuser im Bau oder kurz vor Baubeginn erlebt das Pariser Geschäftsviertel La Défense derzeit seinen dritten Frühling. Die Keimzelle des Quartiers bildet ein Gebäude, das von der bis heute größten Schalenkonstruktion aus Stahlbeton überwölbt wird. 218 m Spannweite und 46 m Höhe misst das Dach des Centre des nouvelles industries et technologies (CNIT), das 1958 als Ausstellungshalle des Verbandes der französischen Maschinenbauunternehmen entstand. Auf Initiative seines Präsidenten Emmanuel Pouvreau hatte der Verband das Gelände der ehemaligen Zodiac-Fabrik in der Gemeinde Puteaux westlich von Paris erworben. Dessen dreieckiger Zuschnitt gab für den Entwurf der Architekten Robert Camelot, Jean de Mailly und Bernard Zehrfuss die Grundrissform vor. De Mailly lieferte die entscheidende Ideenskizze: eine auf drei Widerlagern ruhende, gigantische Gewölbestruktur, deren Realisierbarkeit anfangs noch in den Sternen stand. Pier Luigi Nervi und Eugène Freyssinet, zwei führende Pioniere des Stahlbetonbaus, wurden konsultiert, doch ihre Konzepte überzeugten den Auftraggeber nicht. Mehr Aussichten auf eine termin- und kostentreue Fertigstellung verhieß der Entwurf von Nicolas Esquillan, dem technischen Leiter eines der drei am Bau beteiligten Unternehmen. Er sah eine zweischalige, aus sechs gleichförmigen Segmenten bestehende Dachkonstruktion vor. Im Inneren jedes Segments verlaufen je zehn Stahlbetonrippen radial von den Auflagern zum Gewölbescheitel. Die Schalen sind an den dünnsten Stellen nur 65 mm dick, die vorgefertigten Rippen haben eine Breite von 60 mm und eine Höhe zwischen 1,9 und 2,7 m. Um den seitlichen Gewölbeschub aufzufangen, sind die drei Auflager durch insgesamt 44 unterirdische Zugseile aus Stahl verbunden.
