Erweiterung der Kunstakademie in Amsterdam

 - Heide Wessely

Wo früher nur ein Parkplatz war, steht heute ein Gebäude der renommierten Kunstakademie Gerrit Rietveld und des angegliederten Sandberg-Instituts für die Masterkurse. Die Bestandsbauten stammen aus der Feder von Gerrit Rietveld und Benthem Crouwel, die 2004 eine erste Erweiterung bauten. Im Jahr 2011 rief die Akademie einen internen Wettbewerb für den zweiten Erweiterungsbau mit vorwiegend gemeinschaftlich genutzten Räumen aus.

Erweiterung der Kunstakademie in Amsterdam
Eine ausladende Freitreppe schnürt in das Gebäude ein und endet schließlich auf dem Dach. Das ist als Arbeitsplatz im Freien gedacht und für hohe Lasten ausgelegt. © Jeroen Verrecht

Um den Charakter der Schule fortzuführen, lud die Akademie dazu Teams ein, deren Teilnehmer die Ideologie und Kultur der Schule gut kannten. Die Architektin Paulien Bremmer, die sich auch in Lehre, Forschung und Kunst engagiert, rief die Gruppe Fedlev ins Leben, zu der auch Designer und Künstler zählen. Das Team gewann. Es sah das Experimentieren als Kern der Akademie und schaute über die Grenzen der einzelnen Disziplinen hinaus. Bislang hatte die autonome Abteilungskultur der Schule nicht genug zu einem interdisziplinären Arbeitsstil beigetragen. Das Ergebnis, zu dem nach dem Wettbewerbserfolg auch das Architekturbüro Hootsmans beitrug, ist ein landschaftlich gestaltetes Gebäude, das Kulisse sein soll für Austausch, Interaktion, Aktion und nicht zuletzt Bildung. Organisiert ist es auf drei Ebenen, die visuell und räumlich miteinander verknüpft sind. Flure und Treppenhäuser gibt es nicht. Stattdessen führt eine ausladende Freitreppe nach oben, schnürt in das Gebäude ein und endet schließlich auf dem Dach. Es ist als Arbeitsplatz im Freien gedacht und für Lasten temporärer Installationen und Mock-ups ausgelegt. Die Dachfläche ist keiner Fakultät zugeordnet, sondern kann von allen gebucht und genutzt werden. Das gilt auch für viele Bereiche im Inneren des Gebäudes. Das Untergeschoss, das über eine breite Abgrabung im Westen betreten und belichtet wird, birgt neben Computerräumen, einem Filmstudio und der zweigeschossigen Bibliothek einen Versammlungsraum mit Sitzstufen aus Holz, die bis ins Erdgeschoss hinaufführen. Eine gläserne Wand schafft dort den Sichtbezug zu den angrenzenden gemeinschaftlich genutzten Werkstätten. Auf der Ostseite kann deren Fassade komplett geöffnet und die Freifläche zwischen Bestand und Neubau mitgenutzt werden. Dies gilt auch für die Bereiche entlang der Fassade, die die Auskragung des Obergeschosses vor Regen schützt. Innen- und Außenräume verschmelzen ähnlich wie die unterschiedlichen Funktionen: Werkstätten und Bibliothek für alle Studierenden verzahnen sich mit Arbeits- und Seminarräumen für einzelne Klassen. Breite, offene Treppen verbinden die verschiedenen Ebenen auf unterschiedlichen Geschosshöhen und lassen Raum, Luft und Licht ineinanderfließen. Ein bisschen geschützter und privater ist das Obergeschoss. Dort können sich die Masterstudierenden des Sandberg-Instituts die große, nur durch Betonstützen gegliederte Fläche nach ihren Vorstellungen zu eigen machen. Eine Verbindungstreppe führt von dort aus in das Hauptgebäude von Benthem Crouwel auf der Ostseite. Die Treppe ist in Wellblech aus Aluminium gekleidet. Die Fassaden hingegen sind im Obergeschoss in filigranes Streckmetall gehüllt, in die auch Faltelemente integriert sind. Diese Lowtech-Konstruktion erlaubt eine natürliche Belüftung und Beschattung, was den Wärmeeintrag in den Sommermonaten reduziert. So können die Studierenden in angenehmer klimatischer und räumlicher Umgebung kreativ sein.

Architektur
Studio Paulien Bremmer | Fedlev
Standort
Fred. Roeskestraat, 1076 ED Amsterdam (NL)

  • Kulturcampus Paul-Van-Ostaijen in Leuven

    In Leuven haben Lava architecten aus einem alten Missionshaus einen Ort geschaffen, an dem Zirkus, Musik, Theater und Tanz unter einem Dach koexistieren. Starker Schallschutz ist hier Voraussetzung für soziales Miteinander.

  • The Lost Shtetl Museum in Litauen

    Das jüdische Museum in Šeduva erinnert an die Kultur osteuropäischer Kleinstädte vor dem Zweiten Weltkrieg. Lahdelma & Mahlamäki Architects aus Finnland haben mit dem Neubau die kleinteilige Struktur des Orts nachempfunden, dessen Bewohnerschaft 1941 von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet wurde.

  • Wie eine Brücke überspannt der Schuppenpanzer des UCCA Clay Museum die Durchgänge zu den Nachbargebäuden. Wo er die Erde berührt, haben Kengo Kuma & Associates flache Wasserbecken anlegen lassen.

    Museum für Keramikkunst in Yixing

    Mit dem neuen UCCA Clay Museum führt die chinesische Millionenstadt Yixing ihre jahrtausendealte Tradition der Keramikherstellung fort. Unter dem Panzer aus roten Tonplatten öffnen sich Ausstellungsräume mit offenen Holzdachstühlen – ein ausdrucksstarker Ort für die Präsentation moderner Keramikkunst.

  • Das Bühnenhaus des Glasshouse Theatre besteht aus strukturierten Betonfertigteilen, der Bestandsbau des QPAC dagegen aus glattem Ortbeton. Farblich ist die Kontinuität jedoch unverkennbar.

    Glasshouse Theatre in Brisbane

    Das Glasshouse Theatre ergänzt das denkmalgeschützte Queensland Performing Arts Centre um eine fünfte, flexibel nutzbare Spielstätte für Konzerte, Opern, Tanz und Theater. Die Glasfassaden des weit auskragenden Foyers machen die Illusionskunst des Theaters auch nach außen sichtbar.

  • Das Kloster bestand ursprünglich aus vier Flügeln um einen Kreuz­gang. Im Süden schließt eine flache, einschiffige Kirche an. Den Kopfbau mit drei Apsiden, Glockenturm und Querschiff erhielt sie im 13. Jahrhundert.

    Kloster Santa María de Sijena

    Mit der Restaurierung des Klosters Santa Maria de Sijena bewahren Pemán y Franco und Sebastián die Spuren von Zerstörung, Wiederaufbau und Verfall aus 800 Jahren. Jetzt haben sie den Ost- und Nordflügel zu einem Ausstellungsraum für die Kunstschätze des Konvents umgestaltet.

  • Die medizinische Einrichtung hat einen getrennten Eingang an der Ostseite. Eine Pergola aus Betonfertigteilen empfängt die Klienten.

    Übernachtungsschutz und medizinische Einrichtung in München

    Wohnungen für Obdachlose sind oft aus Containern aufgestapelt. Auch der Übernachtungsschutz von Hild und K nutzt die Vorzüge der Vorfertigung. Mit liebevollen Details hat das Münchner Büro jedoch einen robusten Bau geschaffen, der Wärme und Heimatgefühl vermittelt.