- Jakob Schoof
Laubengänge und massive, skulpturale Treppentürme auf der einen, gerasterte Sichtbetonfassaden auf der anderen Seite - mit dieser Architektur prägten sieben- bis achtgeschossige Wohnblocks aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren das Viertel Rozemaai im Norden von Antwerpen und tun es teilweise bis heute. Zwei von ihnen jedoch sind seit ihrer Sanierung durch Atelier Kempe Thill und RE-ST Architecten kaum wiederzuerkennen. Umlaufende Glasbrüstungen, die auf dem Flachdach als transparente Attiken wiederkehren und an den Ecken zu einer geschlossenen Hülle zusammenlaufen, lassen die Massivität und Asymmetrie der Ursprungsbauten komplett in Vergessenheit geraten. Indem sie die Treppentürme an den Westseiten entfernten und an den östlichen Längsfassaden eine komplett neue Balkonschicht ansetzten, gaben die Architekten den insgesamt 107 Sozialwohnungen einen deutlich stärkeren Außenbezug. Nur der Blick aufs Detail verrät die Unterschiede zwischen der Vorder- und Rückseite des Hauses: Während die Laubengänge nach wie vor auf den bestehenden Kragträgern aus Beton aufliegen und nur eine Aufbetonschicht erhielten, um sie rollstuhlgerecht zu erschließen, liegen die Balkone im Osten auf quergestellten Wandscheiben aus Beton auf und werden von diesen gleichzeitig in einzelne, etwa 8 m lange Abschnitte gegliedert. Die Fassadengestaltung spiegelt ebenfalls den Unterschied zwischen öffentlicher und privater Seite wider mit klassischen Lochfenstern an den Laubengängen und vollflächigen Verglasungen zu den Balkonen im Osten. Die Betonfassaden wurden gedämmt und mit bronzefarben eloxiertem Aluminium-Wellblech verkleidet.
