- Barbara Zettel
Kühltürme und ein hoher Fabrikschlot bezeugen bis heute die industrielle Vergangenheit des Fünf-Sterne-Hotels im Pekinger Shougang Park. Das Mailänder Büro Lissoni Casal Ribeiro errichtete das von der Hotelkette Shangri-La geführte Haus 20 km westlich der chinesischen Hauptstadt auf einem fast 9 km2 großen Areal, wo bis 2011 Chinas größtes Stahlwerk noch produzierte. Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2008 und des damit verbundenen Programms zur Reduzierung von Smog stellte die chinesische Regierung schrittweise die Produktion ein. Das Gelände wurde in einen Kultur- und Freizeitpark transformiert. Zu den Winterspielen 2022 fanden dort die Freestyle Ski- und Snowboard-Wettkämpfe statt. Im neu eröffneten Shangri-La Shougang Park war das olympische Organisationskomitee untergebracht. Drei quaderförmige, parallel angeordnete Baukörper bilden den Hotelkomplex. Die Planenden entkernten das Kraftwerk der Stahlfabrik bis auf das Betonskelett mit stählernem Dachtragwerk und gestalteten es zum Hauptgebäude der Anlage um. Hinter der neuen Hülle aus Glas bleibt die ursprüngliche Struktur auch von außen sichtbar. Zwei neue Baukörper erweitern das Gebäude nach Westen. Ihre Fassaden sind mit dunklen, gerillten Keramikplatten verkleidet. Der mittlere Trakt erweitert die öffentlichen Bereiche des Hotels. Er schließt direkt an die verglaste Struktur an und ist mit etwa 23 m ebenso hoch. Eine Brücke im zweiten Obergeschoss bindet den dritten und mit rund 30 m höchsten Baukörper an das Hauptgebäude an. Darin sind auf acht Geschossen 282 Gästezimmer untergebracht. Zwei vertikale Einschnitte lockern das massive Gebäude auf. Horizontal ist die Fassade in drei Schichten gegliedert: Terrassen und auskragende Vordächer heben das Gebäude optisch vom Boden ab. In der zweiten Schicht wird die dunkle Keramikfassade über sieben Ebenen von den vertikal gegliederten Fensterelementen der Gästezimmer unterbrochen. Über dem Technikgeschoss schließt ein Brise Soleil das Gebäude ab.
