Wohnhaus in Venedig

Auf der Venedig vorgelagerten Insel Giudecca wird ein ehemaliges Industriegelände zu einem neuen Wohnquartier umgestaltet. Seit 1997 entstehen auf dem 32.000 Quadratmeter großen früheren Junghans-Areal 470 Wohnungen und 300 Studentenappartements. Am Schnittpunkt zweier Kanäle liegt das Haus »D«, das die nördliche Grenze des Geländes definiert. Der viergeschossige, kompakte Baukörper erinnert an kleine venezianische Paläste. In Proportionen und Materialien knüpft das Gebäude an traditionelle Typologien an, interpretiert bekannte Elemente jedoch neu und schafft so eine abstrahierte Form des historischen Vorbilds. Die stark grafisch wirkende Fassade ist aus drei unterschiedlichen Fensterformaten komponiert: breite und schmale Fenstertüren für Wohnräume und Schlafräume sowie quadratische Öffnungen für Küchen und Bäder. Die versetzte Anordnung der Fenster resultiert aus den unterschiedlichen Wohnungsgrundrissen. Wie bei traditionellen venezianischen Häusern sind die Fenster mit Einfassungen aus hellem Trani-Stein gerahmt, einem süditalienischem Kalkstein, der dem stadtbildprägenden istrischem Kalkstein ähnelt. Die Einfassungen sind jedoch in den Proportionen verändert und werden zu grafischen Elementen, deren unterschiedliche Größe die verschiedenen Leibungstiefen betonen. Die kleinen quadratischen Fenster der Nebenräume sitzen außen bündig in der Fassade, die Fenstertüren der Wohn- und Schlafräume sind innen bündig angeordnet, ihre Faltläden in die Leibung integriert. Im Sockelbereich ist das Haus mit Natursteinplatten in unterschiedlicher Höhe verkleidet. Den grafischen Charakter der Fassade unterstreicht die Attika mit dem schmalen Natursteinband als oberer Abschluss. Sie verdeckt das flache Satteldach an den Kanalseiten. Nur an einer Stelle wird die Dachfläche sichtbar und durchdringt an der Nordfassade die Loggia in der obersten Etage. Aus dem kubischen Gebäude ist ein trapezförmiger Innenhof herausgeschnitten, dessen weiß verputzte Wände in starkem Kontrast zum grauen Putz der Kanalfassaden stehen. Hier auf der »Innenseite« des Hauses befinden sich der Eingang und das Treppenhaus, das die 16 Wohnungen erschließt. An der Südseite des Hofes erinnert ein erhaltener Schornstein an die industrielle Vergangenheit. Das Gebäude ist in Ziegelbauweise aus zweischaligem Mauerwerk erstellt, mit tragender Außenschale aus Vollziegeln und raumseitiger Vorsatzschale aus Lochsteinen. Die tragende Außenschale erklärt sich aus der traditionellen Bauweise sowie aus der Tatsache, dass sie sich besser für die Befestigung der Natursteinplatten eignet. Im städtebaulichen Kontext überzeugt Haus »D« als zeitgenössische Interpretation eines traditionellen Bautyps.

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