Das Innenleben von Gočárs Getreidesilo

Über hundert Jahre waren die historischen Automatischen Mühlen im ostböhmischen Pardubice ohne Unterbrechung im Betrieb. Josef Gočár hat sie 1910 am rechten Flussufer der Chrudimka für die Brüder Winternitz errichtet. Es war der erste große Auftrag für den Architekten, der als Begründer der tschechischen Moderne gilt. 1924 fügte er östlich des Mühlengebäudes ein Getreidesilo als eigenständigen Baukörper hinzu. Mit Ornamenten aus roten und weißen Ziegeln in der fast fensterlosen Fassade, den Schwalbenschwanzzinnen an der Attika und einer bogenförmigen Fußgängerbrücke zwischen Mühle und Silo erscheint die monumentale Fabrik nicht wie ein Produktionsgebäude. Sie erinnert an das seiner zeit ausgegrabene babylonische Ishtar-Tor und wirkt eher wie eine Festung. Nachdem die Produktion 2013 eingestellt wurde, erwarb das Investorenpaar Lukáš und Mariana Smetana das Areal. In Kooperation mit Stadt und Region öffneten sie das zuvor unzugängliche Gelände zum Stadtraum und entwickelten es zusammen mit vier tschechischen Architektekturbüros zu einem kulturellen und sozialen Zentrum.

Das Innenleben von Gočárs Getreidesilo
© Petr Polak