Wohnungsbau besteht nicht selten aus glatten Häuserfronten mit normierten Grundrissen und niedrigen Raumhöhen. Das Rucksackhaus ist ein Vorschlag, die Wohnqualität individuell zu verbessern und dabei die Grenze zwischen Architektur und Kunst auszuloten. Schalungstafeln als Verkleidung, die ungewöhnliche Anordnung der Fenster sowie die archaisch wirkende Art der Aufhängung weisen den Anbau demonstrativ als Fremdkörper aus: Wie ein Rucksack hängt der holzverschalte Stahlkäfig an Stahlseilen, die über das Dach des bestehenden Gebäudes laufen und in der rückwärtigen Fassade verankert sind. Im Innern entsteht ein »schwebender Lichtraum«, außerhalb der Begrenzung der eigentlichen Wohnung. Der Bewohner tritt aus der Privatsphäre durchs Fenster hinaus, um doch privat zu bleiben, obwohl das angehängte Zimmer in den öffentlichen Raum hineinragt und von fünf Seiten Einblicke von außen bietet. Die Innenausstattung macht keine Vorgaben für eine konkrete Nutzung, Wandflächen lassen sich zu einer Liegeplattform, einem Tisch und einem Hocker ausklappen. Als temporäre Ausstellungsinstallation an der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig realisiert, wurde auf Wärmedämmung verzichtet, zusätzliche statische Vorkehrungen abhängig von der Altbausubstanz ergänzt. Die nächsten Stationen im Sommer 2005 sind München und die Plan 05 in Köln.
