Diskussion: Die Qualität des Alltäglichen

Experimente im Wohnungsbau sind selten. Viele der Beteiligten bedienen allzu oft die von Investoren geforderten Bilder für profitable »Residenzen«, anstatt die eigentlichen Belange des Lebens neu zu überdenken und auch durchzusetzen. Inzwischen hat schon die amerikanische Spielart, das »Theme housing«, Europa erreicht - Wohnen im Themenpark à la Disney. Ob diese kurzfristigen Marketingstrategien gesellschaftlich sinnvoll sind, ist jedoch fraglich. Wohnungen, die heute gebaut werden, müssen auch noch in 20 Jahren lebenswert und für den Immobilienmarkt konkurrenzfähig, das heißt wertbeständig sein. Gefragt sind nachhaltige Konzepte und weitere Verdichtung bei immer knapper werdendem Bauland. Qualität bedeutet dabei nicht nur ressourcensparende Herstellung und niedrigen Energieverbrauch, sondern geht weit über die Verwendung langlebiger Materialien und deren solide Verarbeitung hinaus. Für einen Großteil des Wohnungsmarktes ist Gert Kählers Kritik an zu viel Standardisierung zutreffend (siehe S.172 ff). Erfreulicherweise gibt es jedoch auch engagierte Bauträger, Fachplaner, Architekten, Bauherren und Firmen, die in den vergangenen Jahren äußerst qualitätvolle, teils überraschende, oft aber auch unspektakuläre Wohnbauten geschaffen haben, die die wesentlichen Kriterien für zeit-gemäßes Wohnen erfüllen:

Diskussion: Die Qualität des Alltäglichen
© Jean-Marie Monthiers