Für den Stadionbau haben Membranmaterialien eine stark zunehmende Bedeutung. Bei einem Großteil neuer Dächer kommen diese biegeweichen Werkstoffe inzwischen zum Einsatz - und zwar sowohl bei Neubauten als auch bei Umbauten und Sanierungen. Und zum Teil erstreckt sich die Anwendung hier nicht nur auf Dächer, sondern auch auf Fassaden. Neben dem Witterungsschutz stehen vor allem die Lichtverhältnisse im Inneren im Mittelpunkt des Interesses - es geht um die Wachstumsbedingungen für den Rasen, um eine Reduktion des Aggressionspotenzials, aber vor allem um möglichst hochwertige Fernsehbilder: Stützenfreiheit und gleichmäßige Ausleuchtung mit begrenzten Kontrasten. Hier kommt ein zentraler Vorteil von biegeweichen Mem-branwerkstoffen zum Tragen: Transluzenz, zumeist mit hohem diffusen Anteil. Aus den typischen Geometrien von Stadien und der erforderlichen Stützenfreiheit ergeben sich große Spannweiten, für die sich in den letzten Jahrzehnten zugbeanspruchte Flächentragwerke mit sehr leichten und transluzenten Membranwerkstoffen als typische und äußerst wirtschaftliche Lösung entwickelt haben. Während die ersten derartigen Lösungen rückverankerte Konstruktionen waren, deren Leichtigkeit in der Erscheinung nur durch erheblichen Aufwand in der Verankerung über entsprechende Schwerlastfundamente zu erkaufen war, setzt man heute meist so genannte Speichenradsysteme ein, die in der heutigen Form im Wesentlichen auf das Membrandach in Stuttgart aus dem Jahr 1993 zurückgehen, das von den Ingenieuren schlaich bergermann und partner entwickelt wurde. Ästhetisch kommt es in der Folge zu einem Wandel im Umgang mit dem textilen Material, denn statt großer zusammenhängender Flächen erzeugt die Segmentierung durch die Radialseile mit entsprechender Teilflächenstabilisierung eine kleinteiligere Wiederholung, z. B. durch den Einsatz von Bögen zwischen den Radialseilen.
