Öffentliche Bibliotheken sind infolge der stürmischen Entwicklung der Informationstechnologien einem Wandel unterworfen. Zwar werden diese Institutionen wohl nicht, wie seit vielen Jahren immer wieder befürchtet, überflüssig oder bedeutungslos werden. Es ist jedoch abzusehen, dass sich Arbeitsweisen und Arbeitsabläufe und damit auch die Arbeitsorte entscheidend verändern. Hierbei ist es wichtig, sich zu vergewissern, wie sich eine »öffentliche« Bibliothek heute darstellt, was ihre spezifischen Merkmale sind. Es wird nicht viel weiterführen, mit systematisierenden Ansätzen den seit zweihundertfünfzig Jahren weit verästelten Systemen nachzuspüren, etwa ihrem Organisationsaufbau, ihren Aufgabenbereichen, ihren Trägern. Stärkere Beachtung verdienen einfache Merkmale, wie die Art der Buchlagerung (Speicher, Magazin, Freihandaufstellung) sowie Benutzungsformen (Präsenzbibliothek, Leihbibliothek) und Buchbearbeitung, kurz: die Tatsache, dass sich seit rund hundert Jahren in öffentlichen Bibliotheksgebäuden Räume für Bestände, Leser und Personal befinden. Aus diesen Merkmalen sind die heutigen Bauformen der Bibliotheken entwickelt. Der Bautyp einer Bibliothek wird nicht mehr, wie noch vor Jahrzehnten, durch Darstellung der Büchersammlung in Magazintürmen oder, wie im 19. Jahrhundert etwa durch repräsentative Überhöhung der Bauform des Lesesaals bestimmt, sondern durch unterschiedliche Interpretationen der Arbeitsbeziehungen und Arbeitsabläufe im Haus.
