Bericht: Ruhr 2010 - Drei neue Museen im Ruhrgebiet

Als Kulturhauptstadt Europas 2010 führt das Ruhrgebiet gerade aller Welt seinen Wandel von der legendären Kohle- und Stahlregion zu einer modernen, dezentral organisierten Kultur- und Dienstleistungsmetropole vor Augen. Als Symbol für diesen Prozess steht dabei gewissermaßen die Zeche Zollverein in Essen, die, um 1930 von Fritz Schupp und Martin Kremmer in einem Guss errichtet, mittlerweile zum Weltkulturerbe zählt. Zahlreiche Institutionen - vom Designmuseum bis zur Managementschule - zogen hier ein, seit das Areal ab 1989 von den Essener Architekten Heinrich Böll und Hans Krabel Zug um Zug saniert wurde. Im Herzstück der Zeche, der vor einigen Jahren von Rem Koolhaas zusammen mit Böll und Krabel umgebauten monumentalen Kohlenwäsche, fand das Ruhr-Museum ein neues Zuhause; es eröffnete im Januar 2010. Die Institution versteht sich als das Gedächtnis der Region und präsentiert sich vom visuellen Erlebnis her als der wohl faszinierendste der rechtzeitig zum Festjahr fertig gestellten neuen Ausstellungsorte. Denn dort, wo früher das schwarze Gold von einer ebenso komplexen wie hochrationellen Maschinenapparatur gewaschen und sortiert wurde, wird nun auf drei Ebenen die Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets in einem neuen integrativen Konzept präsentiert, wobei das beeindruckende Industriedenkmal nicht nur als Hülle, sondern gewissermaßen als Teil der Ausstellung selbst fungiert. So bleiben aus konservatorischen Gründen etwa 80 Prozent des einstigen Maschinenbestands an Ort und Stelle erhalten - die Museumsgestalter um HG Merz aus Stuttgart mussten also die Sammlungen und Präsentationen quasi in den Bestand hineinkomponieren. Ihr vielfältiges Ausstellungsdesign - es wechselt in den unterschiedlichen Bereichen - bleibt dabei weitgehend zurückhaltend, ohne aber auf Inszenierung zu verzichten, etwa dort, wo edle Museumsstücke in bewussten Kontrast zu den rauen und fleckigen Wänden gesetzt werden. Alles in allem bietet sich dem Besucher eine fast schon überwältigende Flut an Bildern und visuellen Eindrücken. Ganz anders dagegen zeigt sich der noble Neubau des Folkwang-Museums von David Chipperfield und Projektleiter Alexander Schwarz, dessen Innenräume sich durch stille Zurückhaltung auszeichnen.

Bericht: Ruhr 2010 - Drei neue Museen im Ruhrgebiet
Ruhrmuseum, Essen, 2010 Architekten: Kooperation Heinrich Böll + Hans Krabel, Essen/Office for Metropolitan Architecture (OMA), Rotterdam © Brigida González/Ruhrmuseum