Begeisterungsstürme hat das Münchner Olympiagelände von Anfang an ausgelöst, geradezu hymnisches Lob. Leonardo Benevolo etwa beschreibt in seiner dreibändigen Geschichte der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts das Stadion als »Raum von überwältigender Schönheit und Leichtigkeit, der durchsichtig, offen nach Osten, gedeckt, aber durchscheinend nach oben und gefasst von den Tribünenrängen das Sportfeld wie eine leicht geöffnete Schale empfängt.« Wer an den Zeltdächern mit ihren in der Sonne glitzernden Acrylglasplatten vorbeifährt, kann sich dem Zauber dieser Sportarchitektur auch fast 40 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1972 schwer entziehen. Architekturhistoriker zählen das Ensemble im Norden von München zu den wichtigsten Bauten des letzten Jahrhunderts und zu den am besten erhaltenen Olympiabauten weltweit. Das liegt nicht allein an der Originalität der Bauten, das liegt vor allem daran, dass es gelungen ist, das Ensemble auch nach Olympia und Fußballweltmeisterschaft 1974 über eine ganze Generation zu nutzen und seine Freiflächen in den Alltag der Anwohner zu integrieren (Abb. C - E).
