Auf den ersten Blick schien 1961, im Gründungsjahr von DETAIL, die Welt noch in Ordnung. Der alles beherrschende »Internationale Stil« setzte seinen Eroberungsfeldzug über die Erde fort und der damals 75- jährige Ludwig Mies van der Rohe wurde von der internationalen Architektenschaft als unangefochtener Übervater verehrt. Doch die heile Welt zeigte zunehmend Risse. Immer mehr Architekten begehrten gegen einen zum Schema erstarrten Funktionalismus auf und prangerten dessen Gesichtslosigkeit und Gleichförmigkeit an; in den Vereinigten Staaten wurden gar offen Stimmen nach einer »Miesless Architecture« laut. Der Münchner Architekt und Hochschullehrer Franz Hart bezeichnet in seiner Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum von DETAIL dessen Gründungsjahr gar als einen »Wendepunkt in der neueren Baugeschichte«, denn zu diesem Zeitpunkt hatte »die entschiedene Abkehr von dem kühlen, objektiven, konstruktiv betonten und international verbindlichen Bauideal der Funktionalisten und die Hinwendung zu einer neuen, betont expressiven, plastisch bewegten, subjektiven und mit folkloristischen und historischen Motiven angereicherten Architektur (.) bereits in verschiedenen richtungsweisenden Entwürfen und Bauten Gestalt angenommen«1. So überrascht es nicht, dass sich die ersten Ausgaben der neu ins Leben gerufenen Publikation überwiegend auf dekorative Accessoires - »charakterisierende Sekundärdetails«2, wie es der Herausgeber Konrad Gatz später nennt - beschränken. Wir finden darin ganze Seitenabfolgen, überwiegend mit Fotos zu mehr oder weniger ornamental gestalteten Eingangsbereichen und Balkonen, Treppengeländern oder Umfassungszäunen. Erst nach einigen Ausgaben verschiebt sich der Fokus dann zunehmend auf die tatsächliche Konstruktion - während der ersten beiden Jahrzehnte überwiegend noch in Form schematischer, oftmals zusammenhangloser Details. Aus der Idee indes, den Schwerpunkt einer Architekturzeitschrift auf die Konstruktion zu legen und zu zeigen, wie herausragende Gebäude wirklich gebaut sind, entwickelte sich DETAIL in der heutigen Form. Und zwar mehr oder weniger kontinuierlich, mit nur einer wirklichen Zäsur - einem Relaunch, wie man neudeutsch im Verlagsjargon dazu sagt - Anfang der 1980er-Jahre.
