Diskussion: Expo 2010 Schanghai - Alles nur Fassade?

Der Brite Sir Henry Cole hatte zu Beginn der Industrialisierung eine glänzende Idee: sämtliche technische Neuerungen aus aller Welt in der Hauptstadt der damals führenden Wirtschaftsmacht England in einer Ausstellung zusammenzutragen. Fast unbeabsichtigt wird der Kristallpalast des Gärtners Joseph Paxton bei dieser ersten Weltausstellung 1851 zum Auftakt der modernen Architektur. 1889 folgt der Eiffelturm als Wegbereiter für Stahlbauten und Wolkenkratzer, 1929 der Barcelona-Pavillon als erster fließender Raum mit nichttragenden Wandscheiben und 1958 der Philips-Pavillon von Le Corbusier und Iannis Xenakis als das erste computergesteuerte Multimedia-Gesamtkunstwerk, bei dem Gebäudehülle und Szenografie eine untrennbare organische Einheit bilden. Der Montreal-Pavillon von Frei Otto und Rolf Gutbrod war 1967 sogar das unmittelbare Vorbild für das Olympiazeltdach in München. Weltausstellungen sind seit jeher weit mehr als ein Labor für Architekturvisionen. Sie sind Seismograph einer immer enger zusammenwachsenden globalen Gesellschaft, Abbild des Zeitgeists und im besten Fall eine Projektion in die Zukunft. Doch wo stehen wir heute? Hat sich die Architekturdisziplin Expo-Pavillon durch die jederzeit verfügbaren Informationen im Internet überholt? Oder strömen die Massen mehr als zuvor herbei, um mit allen Sinnen selbst ein Teil des Weltereignisses zu sein?

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Chinesischer Pavillon »Krone des Ostens«, Architekt: He Jingtang Expo-Achse, Architekten: SBA, Dachkonstruktion: Knippers Helbig © Frank Kaltenbach