Forschung und Praxis: Heizen und Kühlen mit Wärmepumpen - Erfahrungen aus dem Langzeitmonitoring

Heizen und Kühlen mit Wärmepumpen: Erfahrungen aus dem Langzeitmonitoring Eine große Herausforderung im Zusammenhang mit der Energiewende ist der Wandel von einer zentralen hin zu einer zumindest teilweise dezentralen elektrischen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Die zunehmende Einspeisung von fluktuierenden erneuerbaren Energien belastet die Stromnetze und erfordert ein effizientes Management von Stromangebot und -nachfrage. Auch der heute noch stark von fossilen Energien dominierte Heizwärmesektor wird sich verändern müssen. Berechnungen zeigen, dass ein optimales Zusammenspiel aller Sektoren in Deutschland nur durch eine zunehmende Konvergenz des Strom- und Wärmesektors gelingt. Vor allem elektrische Wärmepumpen dürften in diesem Zusammenhang massiv an Bedeutung gewinnen, wie Simulationsrechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) nahelegen. Zum einen erlauben Wärmepumpen in Gebäuden mit reduziertem Wärme- und Kältebedarf eine besonders energieeffiziente Heizung und Kühlung. Außerdem können sie überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen in speicherbare thermische Energie umwandeln. Bei einer abgestimmten Interaktion zwischen Wärmepumpe und Versorgungsnetz reduziert diese Wärme- und Kältespeicherung Lastspitzen und leistet einen Beitrag dazu, Stromerzeugung und und -verbrauch im Netz zeitlich besser in Einklang zu bringen. Schon heute haben sich Wärmepumpen insbesondere in Wohngebäuden etabliert. Einen Beleg hierfür liefern die Verkaufszahlen, die sich seit 2006 relativ kontinuierlich zwischen 50 000 und 60 000 Stück pro Jahr bewegen. Dies entsprach einem Marktanteil der Wärmepumpen von 8-10 % am Gesamtmarkt der Wärmeerzeuger. Im Neubaumarkt erzielten Wärmepumpen im Jahr 2012 bereits einen Anteil von 27 %. Derzeit sind in Deutschland mehr als 500 000 Wärmepumpen in Betrieb, und für das Jahr 2020 wird ein Anstieg auf 1,2 Millionen Wärmepumpen mit einer Anschlussleistung von 3600 Megawatt prognostiziert [2]. Auch in Büro- und Gewerbegebäudenwerden Wärmepumpen zunehmend für die Heizung und Kühlung genutzt. Im Winter wird dabei einer Umweltwärmequelle Wärme entzogen und durch den thermodynamischen Wärmepumpenprozess Heizwärme für das Gebäude bereitgestellt. Im Sommer wird das Erdreich bzw. das Grundwasser meist direkt zur freien Kühlung der Gebäude genutzt. Erfordern das Gebäude und seine Nutzung eine erhöhte Kühlleistung, kann eine reversible Wärmepumpe auch auf energieeffizientem Wege Klimakälte bereitstellen. Doch wie effizient sind Wärmepumpensysteme im realen Betrieb? Wo liegen Schwachstellen, und was sind Erfolgsfaktoren? Der folgende Beitrag stellt Praxiserfahrungen und Betriebsauswertungen von Wohn- und Nichtwohngebäuden mit erdreich-, grundwasser- und außenluftgekoppelten Wärmepumpen vor. Die Auswertungen basieren auf mehrjährigen Monitoringkampagnen aus den Förderprogrammen »Energieoptimiertes Bauen (EnOB)«, »LowEx:Monitor« und »WP-Effizienz« des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie aus Projekten, die Energieversorger und Wärmepumpenhersteller unterstützt haben. In diesen Feldstudien wurde nicht nur die im realen Betrieb erreichte Energieeffizienz der Wärmepumpensysteme ermittelt, sondern auch die Betriebsbedingungen untersucht und das Systemverhalten analysiert. Wärme- und Kälteversorgungskonzepte für Wohngebäude In drei Monitoringprojekten untersuchte das Fraunhofer ISE die Effizienz von elektrisch angetriebenen Wärmepumpensystemen in kleineren Wohngebäuden (meist Einfamilienhäusern) (Abb. 1). Während sich das Projekt »WP im Bestand« [3] der Bewertung von Wärmepumpen in unsanierten bzw. teilsanierten Bestandsgebäuden widmete, wurden in den Projekten »WP-Effizienz« [5] und »WP Monitor« [6] Wärmepumpen in neuen Gebäuden untersucht. In allen Felduntersuchungen wurden sowohl außenluft- als auch erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen berücksichtigt. Bis auf wenige Ausnahmen übernehmen die Wärmepumpenanlagen sowohl die Raumheizung als auch die Trinkwassererwärmung, wobei Letztere in einigen Fällen zusätzlich durch eine thermische Solaranlage unterstützt wird. Eine Raumkühlung wird nur in sehr wenigen Wohngebäuden umgesetzt. Die nominale Heizleistung der installierten Wärmepumpen liegt zwischen 5 kW und 17 kW in Neubauten bzw. 37 kW in Bestandsgebäuden. In den meisten Anlagen ist eine elektrische Zusatzheizung installiert, die jedoch bei weniger als der Hälfte der erdgekoppelten Systeme tatsächlich zum Einsatz kommt. Auch bei den Außenluft-Wärmepumpen wird der Heizstab bei fast jeder fünften Anlage nicht in Betrieb genommen, obwohl dies bei dieser Art von Wärmepumpenanlagen bei (sehr) geringen Außentemperaturen eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Der Befund legt die Vermutung nahe, dass die betreffenden Wärmepumpen überdimensioniert sind. Pufferspeicher sind in den außenluftgekoppelten Anlagen deutlich häufiger (in 80 % aller untersuchten Fälle) zu finden als bei Erdreich-Wärmepumpen, die zu rund 50 % direkt an den Heizkreis angebunden sind. Büro- und Gewerbegebäude Die 16 untersuchten Büro- und Gewerbegebäude haben eine beheizte Nettogrundfläche von 800 bis 10 700 m². Die nominale thermische Heizleistung der erdgekoppelten, elektrischen Wärmepumpen liegt zwischen 28 und 2≈ 135 kW und die der Gaswärmepumpen bei 38 kW. Davon werden 6 Anlagen monovalent betrieben; in 10 Gebäuden werden weitere Wärmeerzeuger wie zum Beispiel Fernwärme oder Pelletkessel eingesetzt. In 13 der untersuchten Gebäude wird das Erdreich mittels Erdsonden als Umweltwärmequelle/-senke erschlossen (Gesamtlänge der Erdsonden 15 -19 Meter pro kW Heizleistung der Wärmepumpe). In drei Gebäuden werden grundwassergekoppelte Wärmepumpen eingesetzt (geförderter Volumenstrom 11-70 m3/h). Im Sommer werden die jeweiligen Umweltwärmesenken vorrangig direkt zur Kühlung herangezogen. In sechs Fällen stellen reversible Wärmepumpen bei Bedarf zusätzlich aktiv Kälte bereit (thermische Leistung 50 -200 kW). Fast alle untersuchten Gebäude verfügen über eine Kühlung mittels thermoaktiver Bauteilsysteme; in einigen wenigen wurden abgehängte Kühlpaneele installiert. In den meisten Gebäuden sind Pufferspeicher mit Größen von 500 bis 3.000 Liter (4-25 l pro kW nomineller Heizleistung der Wärmepumpe) vorhanden. In den Nichtwohngebäuden wird die Wärmepumpe nicht zur Trinkwarmwassererzeugung eingesetzt, da der in der Regel sehr geringe Warmwasserbedarf meist mit dezentralen Durchlauferhitzern wirtschaftlicher gedeckt werden kann. Methodik der Auswertung und Bilanzierung Im Rahmen der Monitoringprojekte wurden die Wärmepumpenanlagen über mehrere Betriebsjahre detailliert vermessen. Dabei wurden die Vor- und Rücklauftemperaturen der Wärmequellen und -senken sowie der Wärmepumpe, die Volumenströme, die Wärme- und Kältemengen, der elektrische Energiebezug für die Kompressoren und Hilfsaggregate sowie bei Gaswärmepumpen auch der Gasbezug mit Messgeräten erfasst. In den Nichtwohngebäuden wurden zusätzlich die Betriebssignale und Ventilstellungen ausgelesen. Abb. 6 zeigt am Beispiel eines erdgekoppelten Wärmepumpensystems die in den Auswertungen zugrunde gelegten Bilanzgrenzen: • Wärmequelle (WQ): betrachtet den hydraulischen Primärkreis, also Umweltwärmequelle/-senke mit dazugehöriger Umwälzpumpe • Wärmepumpenanlage (WPA): umfasst Primärkreis und Wärmepumpe (inkl. Regelung und Steuerung) sowie den Heizstab bei den Wohngebäuden • Wärmepumpe (WP): berücksichtigt ausschließlich die Wärmepumpe (Kompressor inkl. Regelung und Steuerung), ohne Primärkreis. Die bereitgestellte thermische Energie wird direkt nach der Wärmepumpe (also vor den Speichern) bilanziert - im Fall der Wohngebäude getrennt für die Raumheizung und Trinkwassererwärmung. Der wichtigste Indikator für die Effizienz einer Wärmepumpe oder Wärmepumpenanlage ist die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie gibt an, wie viel thermische Energie (in kWh) die Anlage im Jahresdurchschnitt für jede Kilowattstunde elektrischer Energie liefert, die ihre Komponenten (Wärmepumpe und je nach Bilanzgrenze auch Umwälzpumpen, Ventile u.) beziehen. Analog hierzu bezieht die JAZ einer Gaswärmepumpe die bereitgestellte Heizenergie auf den Erdgaseinsatz (in kWh). Auch für den Vergleich mit anderen Heiztechniken ist die Jahresarbeitszahl wesentlich. So benötigen z. elektrisch betriebene Wärmepumpen mindestens eine JAZ von 2,0, um gegenüber einem Gasheizkessel [7] energetische Vorteile und eine JAZ von 2,7, um Vorteile in Bezug auf die CO2 äq.-Emissionen zu erzielen. Ergebnisse aus dem Langzeitmonitoring: Wohngebäude In Abb. 7 (Außenluft-Wärmepumpen) und Abb. 8 (Erdreich-Wärmepumpen) sind die erzielten Jahresarbeitszahlen der drei Messkampagnen (für die Bilanzgrenze Wärmepumpe) einander gegenübergestellt. Dabei kennzeichnet der Punkt jeweils den Mittelwert aller ermittelten Jahresarbeitszahlen. Die grauen Balken zeigen die Spanne zwischen dem kleinsten und größten Einzelwert. Für die Erdreich-Wärmepumpen in den Bestandsgebäuden (WP im Bestand) wurde eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,3 kWhtherm/kWhel ermittelt, wohingegen der Mittelwert im Projekt »WP-Effizienz« bei 3,9 kWhtherm/kWhel liegt. Dies spiegelt die Unterschiede bei den installierten Wärmeverteilsystemen wider (Abb. 1): Die Neubauten sind fast ausschließlich mit Fußbodenheizungen ausgestattet, während die Altbauten zumeist über Radiatoren beheizt werden. Die Heizungsvorlauftemperaturen lagen in den Altbauten mit 54 °C im Mittel knapp 20 K höher als im Neubau. Auch bei den vermessenen Außenluft-Wärmepumpen zeigt sich ein ähnlicher Unterschied: Im Projekt »WP-Effizienz« wurde eine mittlere Jahresarbeitszahl von 2,9 und bei »WP im Bestand« ein Wert von 2,6 erreicht. Innerhalb der einzelnen Messkampagnen unterschieden sich die Arbeitszahlen der Anlagen teils erheblich. Zwar lagen im Projekt »WP-Effizienz« drei Viertel der Erdreich-Wärmepumpen im Bereich von ±10 % um den Projektmittelwert. Insgesamt jedoch variierten die JAZ zwischen 3,0 und 5,2. Den höchsten Wert erreichte eine Anlage, die bei unterdurchschnittlichen Heizkreistemperaturen betrieben wurde und darüber hinaus - aufgrund einer großzügig dimensionierten Erdsondenanlage - auch in der Kernheizperiode hohe Quellentemperaturen nutzen konnte. Im Projekt »WP im Bestand« wies die Erdreich-Anlage mit der geringsten Effizienz eine Jahresarbeitszahl von 2,2 auf. Die Anlage mit der höchsten Effizienz, die sich in einem umfangreich sanierten, mit einer Fußbodenheizung ausgestatteten Gebäude befindet und nicht zur Trinkwassererwärmung genutzt wurde, kam auf 4,7. Bei den Außenluft-Wärmepumpen war die Bandbreite der Arbeitszahlen in den beiden Projekten in etwa gleich; sie reichte von 2,1 bis 3,3 (WP im Bestand) bzw. von 2,3 bis 3,4 (WP-Effizienz). Welche Jahresarbeitszahlen Außenluft-Wärmepumpen in Neubauten heutzutage erreichen können, zeigt das Projekt »WP-Monitor«, in dem sowohl Wärmepumpen aus »WP-Effizienz« übernommen als auch neu installierte Wärmepumpen vermessen wurden. Der Einsatz neuerer Serienmodelle sowie eine sorgfältigere Installation der Wärmepumpen führen in diesem Projekt zu einer mittleren Jahresarbeitszahl von 3,1. Auffällig sind dabei insbesondere zwei Anlagen mit Jahresarbeitszahlen von 4,0 und 4,3. Beiden kommt zugute, dass die eingebauten leistungsgeregelten Wärmepumpengeräte hohe Leistungszahlen (COP) unter Normbedingungen aufweisen und diese unter günstigen Randbedingungen (niedrige Wärmesenkentemperaturen, kein oder fast kein Heizstabbetrieb) operieren. Um die Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen in Gebäuden mit niedrigen Heizkreistemperaturen (z.Flächenheizungen) richtig einordnen zu können, muss das Verhältnis zwischen den Wärmeverbrauch für die Trinkwassererwärmung und jenem für die Raumheizung angegeben werden. Aufgrund der höheren Temperaturen im »Trinkwassermodus« ist während dieses Betriebszustandes nur eine geringere Arbeitszahl erreichbar als im »Heizmodus«. Der Trinkwasseranteil an der Wärmenutzung hängt ab vom Heizenergiebezug, den Nutzergewohnheiten und ggf. einem ergänzenden Wärmeerzeuger (z. Solaranlage zur Trinkwassererwärmung). Ungünstige hydraulische Konzepte können ihn negativ beeinflussen. Im Projekt »WP-Monitor« reicht die Bandbreite von 0 % bis 58 %, wobei zwei Drittel aller Anlagen einen Trinkwasseranteil zwischen 10 % und 30 % aufweisen. Künftig dürfte der Heizwärmebedarf in Neubauten weiter sinken, der Warmwasserbedarf jedoch in etwa gleich bleiben. Damit steigt der Trinkwasseranteil tendenziell, und die erreichbaren Jahresarbeitszahlen sinken (Entwicklungen, die zu einer Verbesserung des COPs der Wärmepumpe beitragen, sind dabei außer Acht gelassen). Neben dem Einfluss der Temperatur auf die Effizienz der Wärmepumpe wird die Jahresarbeitszahl der Anlage auch von der Hilfsenergie beeinflusst. In den vermessenen Wohngebäuden lag der Energiebedarf für den quellenseitigen Antrieb (Ventilator bzw. Pumpe) zwischen 2 % und 12 % des Energiebezuges der Wärmepumpenanlage (ohne Heizstab). Büro- und Gewerbegebäude Bilanzgrenze Wärmepumpe Im Heizfall stellen die Wärmepumpen den Gebäuden 18 bis 67 kWhtherm/(m2a) Wärme zur Verfügung. Berücksichtigt man ausschließlich den Endenergiebedarf (elektrische Energie bzw. Gas) für den Kompressor, erreichen die elektrischen Wärmepumpen Jahresarbeitszahlen von 3,2- 6,7 kWhtherm/kWhel und die Gas-Wärmepumpen 1,09-1,31 kWhtherm/kWhend [8]. Die deutlichen Effizienzunterschiede der einzelnen Anlagen ergeben sich hauptsächlich durch die unterschiedlichen Temperaturdifferenzen zwischen Primärseite (Wärmequelle bzw. Wärmesenke) und Sekundärseite (Heiz-/Kühlkreis im Gebäude). Maßgeblich hierfür sind zum einen die Art und Dimensionierung der Wärmequelle/Wärmesenke und zum anderen die Art und Auslegung der Übergabesysteme sowie die hydraulische Verschaltung des Systems. Der Einsatz und optimierte Betrieb von Niedertemperatur-Übergabesystemen (Vorlauftemperaturen zwischen 26 und 35 °C) ermöglicht eine hohe Energieeffizienz der Wärmepumpen von 4.7 (Abb. 9: Gebäude G01, G05, G09). Dagegen wird zum Beispiel im Gebäude G10 sowohl die Betonkerntemperierung (Temperaturanforderung 27-30 °C) als auch das Lüftungsregister (Temperaturanforderung 40 - 45 °C) von einem gemeinsamen Heizungs-Pufferspeicher versorgt. Folglich erreichte die Wärmepumpe nur eine JAZ von 4,0. Im Gebäude G12 hingegen ist die Betonkerntemperierung durch Umschaltventile direkt an die Wärmepumpe, das Lüftungsregister aber am Speicher angeschlossen. Die Messungen ergaben für dieses System eine JAZ von 5,2. Bilanzgrenze Wärmepumpenanlage Berücksichtigt man auch den Hilfsstrombezug für die Pumpen im Primärkreislauf, so erreichen die elektrischen Wärmepumpenanlagen im Heizbetrieb Jahresarbeitszahlen von 2,9 bis 6,1 kWhtherm/kWhel und die Gas-Wärmepumpenanlagen JAZ von 0,9 bis 1,29 kWhtherm/kWhend. Die Primärpumpen haben je nach Gebäude einen Anteil von 6-25 % am Strombedarf des Wärmepumpensystems und damit einen teils deutlichen Einfluss auf die Gesamteffizienz. Die primärenergetische Analyse, bei der auch die Umwandlungsverluste bei der Stromerzeugung berücksichtigt werden, macht deutlich, dass d ie elektrischen Wärmepumpen (1,3 bis 2,8 kWhtherm/kWhprim) bereits beim heutigen Strommix deutlich effizienter sind als die Gaswärmepumpen (0,9 bis 1,1 kWhtherm/kWhprim) [9]. Der Betrieb von hocheffizienten Anlagen erfordert eine gute und sorgfältige Planung der Hydraulik und der thermischen Auslegung der Wärmequellen. Beispielsweise ist bei den Gebäuden W03, G05 und G09 die gesamte Anlage (Wärmepumpen, Erdsonden, Speicher und Pumpen) ein Komplettsystem, in dem die einzelnen Komponenten bereits vom Hersteller gut aufeinander abgestimmt wurden. Dies ermöglicht eine deutliche Effizienzsteigerung im Vergleich zu den Anlagen, bei denen die Gewerke getrennt geplant und installiert wurden. Zudem bietet dieses Komplettsystem bei den untersuchten Anlagen auch die Möglichkeit eines Dualbetriebes, bei dem die Wärmepumpe gleichzeitig Heiz- und Kühlenergie liefert. Eine direkte Kühlung mittels Erdwärmesonden oder Grundwasserbrunnen kann je nach Gebäude- und Nutzungskonzept sehr energieeffizient sein (JAZ > 10). Auch dies setzt jedoch eine sorgfältige Planung der Hydraulik und der thermischen Auslegung voraus. Im Betriebsmodus der aktiven Kühlung erreichen die reversiblen Wärmepumpenanlagen JAZ von 2,1 bis 5,0. Je nach geforderter Vorlauftemperatur deckt die aktive Kühlung dabei zwischen 16 und 57 % des jährlichen Kühlbedarfs. Zusammenfassung Wärmepumpen und Kältemaschinen ermöglichen die effiziente und nachhaltige Beheizung und Kühlung von Gebäuden. Die Effizienz der Anlagen ist jedoch in hohem Maße von den - durch Einsatzbereich, Planer, Installateure, Betreiber und Nutzer beeinflussten - Betriebsbedingungen (insbesondere den Temperaturen im Wärmesenken- und -quellenkreis) abhängig. Die Auswertung der Projekte zeigt, wie wichtig die richtige Auslegung des Gesamtsystems, eine korrekte Umsetzung auf der Baustelle und eine gut abgestimmte Betriebsführung für die Energieeffizienz sind. Auch der Hersteller hat über die »Qualität« des jeweiligen Wärmepumpengerätes (u. Höhe der temperaturabhängigen Leistungszahl, Regelungsstrategie) hierauf einen Einfluss. Für Planung und Betrieb von Wärmepumpenanlagen lassen sich u.folgende zentrale Punkte festhalten: • Die Temperaturen im Wärme-/Kälteübergabesystem beeinflussen die Energieeffizienz des Gesamtsystems entscheidend. Flächenheiz- und -kühlsysteme haben den Vorteil, dass man aufgrund der großen Wärme bzw. Kälte übertragenden Fläche bereits mit sehr kleinen Temperaturdifferenzen zwischen Oberflächen- und Raumtemperatur heizen oder kühlen kann. Die Kühlwassertemperaturen sollten dabei auf einen Temperaturbereich von 16-22 °C und die Heizwassertemperaturen auf maximal 27-32 °C begrenzt werden. • Eine korrekte Planung und Umsetzung des hydraulischen Konzeptes ist die Voraussetzung dafür, dass die Betriebstemperaturen der Wärmepumpe nur im Temperaturbereich des Wärme- bzw. Kälteübergabesystems liegen und nicht im Heizfall unnötig hoch bzw. im Kühlfall unnötig niedrig. Mit der Komplexität des hydraulischen Aufbaus steigen auch die Anforderungen an die Installation und Regelung. • Bei der Dimensionierung von Geothermieanlagen müssen die zu erwartenden thermischen Leistungen und Energiemengen aufseiten der Umweltwärmequelle bzw. -senke sowie die Eigenschaften des Untergrunds genau bekannt sein. Während bei kleinen Anlagen (z. Einfamilienhäusern) auf Auskünfte zuständiger Behörden und lokal tätiger Fachfirmen zurückgegriffen wird, sind bei größeren Projekten geologische Vorerkundungen (Messungen an Probebohrungen) üblich. Falsche Annahmen in der Planung (z. bezüglich einer ungestörten Erdreichtemperatur, der Entzugsleistung für Erdwärmesonden und möglicher Fördermengen für Grundwasser) und Fehler bei der Dimensionierung können die Energieeffizienz der Anlage beeinträchtigen und zu unzureichenden Heiz-/Kühlleistungen führen. Diese lassen sich im Gebäudebetrieb kaum kompensieren, sodass in diesen Fällen die Nachrüstung eines zusätzlichen Wärme-/Kälteerzeugers unumgänglich wird. • Die Energieeffizienz der Umweltwärmequellen und -senken ist in erster Linie von der Effizienz der Primärpumpe (Grundwasser- oder Solepumpe) oder des Außenluftventilators abhängig. In der Planung sollten daher - vor allem bei größeren Wärmepumpenanlagen ab 30 kWtherm - klare Vorgaben für die zu erreichende Energieeffizienz der Systeme vereinbart werden. Durch ein optimal bemessenes Rohrnetz mit geringen Druckverlusten (< 300 Pa/m), korrekt dimensionierten Primärpumpen (< 40 Wel/kWtherm), einer Volumenstromregelung der Primärpumpe abhängig von der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf (3-5 Kelvin) und optimaler Betriebsführung (Strombezug < 2 kWhel/(m²NGFa)) ließe sich in den untersuchten Anlagen in Nichtwohngebäuden die Energieeffizienz deutlich steigern. • Die Wärmepumpen sind sorgfältig für den jeweiligen Einsatzzweck auszuwählen und zu dimensionieren. Unnötige Sicherheitszuschläge bei der Leistung führen zu einem häufigeren Takten (An- und Abschalten der Wärmepumpe), was sich negativ auf Effizienz und Lebensdauer der Aggregate auswirkt. Bei der Auswahl des Fabrikats bzw. Typs ist auf eine möglichst hohe Effizienz im Bereich der vorgesehenen Betriebstemperaturen zu achten - hierbei gibt es nicht unbeträchtliche Unterschiede. Auch die elektrischen Stand-by-Verluste (Regelung, Ölsumpfheizung) können erheblich sein. • Einer sorgfältigen Auslegung muss sich eine ebenso sorgfältige Installation und Inbetriebnahme des Gesamtsystems anschließen. • Auch nach der Inbetriebnahme sollten die Anlagen überwacht und ggf. Betriebsparameter angepasst werden. Dies bedeutet für Einfamilienhäuser, dass der Bewohner, der zumeist auch Betreiber der Anlage ist, in die Grundzusammenhänge seiner Anlage eingewiesen werden sollte. Bei Nichtwohngebäuden empfehlen sich ein Anlagenmonitoring und eine betriebsbegleitende Optimierung, um einen effizienten Betrieb dauerhaft zu gewährleisten.

Forschung und Praxis: Heizen und Kühlen mit Wärmepumpen - Erfahrungen aus dem Langzeitmonitoring
Wärme- und Kälteverteilung in einem Gewerbegebäude