Diskussion: Fragmente einer Sprache der Liebe - Brasilianische Architektur und Stahlbeton

Der Titel eines brasilianischen Hochbau-Lehrbuchs für Studenten im Grundstudium »Concreto armado: eu te amo« (»Stahlbeton: Ich liebe dich«)1 veranschaulicht die innige Beziehung zwischen diesem Baustoff und der zeitgenössischen Architektur in Brasilien. Entgegen der Tatsache, dass das Land gegenwärtig zweitgrößter Eisenerz-Produzent der Welt ist, wird in Brasilien wenig mit Stahl gebaut; das Interesse von Regierung, Bergwerksgesellschaften und Stahlkonzernen richtet sich eher auf den Export als darauf, die inländische Nachfrage der Bauindustrie zu decken. Daher verhindern Steuern, Gesetzgebung und hohe Preise die Verwendung von Metall- und Stahlbauelementen in größerem Maßstab. Andererseits besitzt der südamerikanische Gigant Wälder und damit Holz im Überfluss, doch das Material wird, zur Freude der Umweltschützer, kaum für Bauwerke eingesetzt (was die Verwendung von Holz für weniger hehre Zwecke nicht ausschließt). Es gibt zwar talentierte brasilianische Planer, die sich auf Holz- und Stahlbau spezialisieren, doch aufgrund der Popularität des Stahlbetons fristen diese eher ein Schattendasein.

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Ministério da Educação e Saúde MES in Rio de Janeiro, 1936 –1945, Architekten: Lucio Costa, Oscar Niemeyer, Affonso Eduardo Reidy, Carlos Leão, Jorge Machado Moreira, Ernani Vasconcellos © Leonardo Finotti