- Andreas Gabriel
Wie Höhlenmalereien aus prähistorischer Zeit belegen, waren bereits die ersten Schutzräume der Menschen Versamm-lungsräume, die auch dem Informationsaus-tausch dienten und frühen Kulturleistungen Raum boten. Nach der Sesshaftwerdung seit Beginn des Ackerbaus entstand mit zunehmender Verfeinerung der Siedlungsstrukturen bald das Bedürfnis nach besonderen Räumen für größere Versammlungen. Seither finden sich in so gut wie allen Kulturen besonders ausgewiesene Orte und Bauten für die Zusammenkunft. Versammlungshäuser traditioneller Kulturen geben bis heute Aufschluss über grundlegende räumliche Zuweisungen innerhalb einer sozialen Gemeinschaft. Manche der einfachsten Formen haben sich bis heute erhalten. In einigen Regionen Afrikas etwa werden bis in unsere Zeit niedrige strohgedeckte Schattendächer als Versammlungsorte genutzt. Versammlungshäuser traditioneller Gesellschaften stärken die Gemeinschaft und können soziale Schranken überwinden, definieren aber andererseits die Menschen im Inneren gegenüber den »Außenstehenden«. Fast immer sind sie einzigartige Räume, sei es durch ihre Lage oder ihre formale Gestaltung. Das Versammlungshaus der Xikrin in Amazonien steht auf »neutralem« Boden in Dorfmitte, umringt von den Wohnhäusern der einzelnen Clans (Abb. 1). Aller symbolischer und materieller Austausch findet über das Versammlungshaus statt, das die sozialen Vorgänge innerhalb des Dorfkreises vereint.
