Diskussion: Ljubljana - Erneuerung in der Phase des Übergangs

Seit dem ersten Mai 2004 ist Slowenien Mitglied in der Europäischen Union. Der Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus vollzog sich in diesem Land anders als bei den übrigen EU-Beitrittsländern: Mit Slowenien entstand ein neuer Staat, der auch die Einrichtung neuer politischer, sozialer und wirtschaftlicher Institutionen erforderte. Viele dieser Institutionen befinden sich noch immer in den Büroräumen der früheren Republik, manche stammen sogar noch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Herrschaft. Der neue slowenische Staat hat keinen symbolischen Neuanfang gewagt - im Gegensatz zu Deutschland, dessen Regierungssitz von Bonn in das neue Reichstagsgebäude in Berlin verlegt wurde. Das Parlamentsgebäude in Ljubljana wurde lediglich erneuert und ein Versammlungssaal mit runder Bestuhlung eingerichtet.

Diskussion: Ljubljana - Erneuerung in der Phase des Übergangs
© Bogo Zupancic

Die Stadtstruktur

Ljubljanas Altstadt zeichnet sich durch viele verschiedene Baustile aus: Neben Mauerresten aus der Antike findet man prachtvolle Barock- und Jugendstilpaläste, aber auch moderne Architektur. Die Eleganz vieler Plätze und Straßen geht auf Jože Plecˇ nik zurück, der die Provinzhauptstadt in eine mitteleuropäische Großstadt verwandelte. Das Zentrum umschließt ein enger Verkehrsring, von dem sternförmig fünf Ausfallstraßen abzweigen, an denen sich jeweils lineare Stadtteile gebildet haben. Vier davon wurden über die Jahre vernachlässigt und haben in naher Zukunft keine Aussicht auf ein Entwicklungskonzept. Die geographische Lage, die Einbindung in die Landschaft, die Übersichtlichkeit der Stadt mit ihren knapp 300 000 Einwohnern – all das sind die positiven Seiten von Ljubljana. Für die künftige Entwicklung wäre es wichtig, den Stadtkern zu erweitern und eine bessere Verkehrsanbindung durch eine neue Ringstraße zu ermöglichen.

Die Initiative »Ljubljana – meine Stadt«

Der malerische Stadtkern ist ein Anziehungspunkt für Touristen geworden. Leider verschlechtern sich dort streckenweise die Wohnbedingungen; Bewohner und Geschäfte ziehen weg. So dominieren Unterhaltungsetablissements, Büronutzungen und Bildungseinrichtungen die Altstadt. Die Initiative »Ljubljana – meine Stadt« hat viel zum neuen Gesicht der Stadt beigetragen. Seit 1989 wurden 214 Fassaden und Dächer saniert. Die Investitionen betragen bereits 20 Millionen Euro, die Hälfte davon stellte die Stadtverwaltung zur Verfügung.

Architektur des Wandels

Die neue Architektur in Ljubljana spiegelt den Wandel von einer industriellen hin zu einer nachindustriellen Gesellschaft wieder. Es wird nicht mehr primär produziert, sondern es wird konsumiert. Der Einzelhandel hat signifikant zugenommen, während die Flächen für Wohnen und Kultur nicht gestiegen sind. Von 1992 bis 2000 ist der Faktor Verkaufsfläche zu Einwohner um das 2,5-fache gestiegen. Etliche Einkaufszentren entstanden am Stadtrand und entlang der äußeren Ringstraße. Das größte davon ist in einem ehemaligen Lagerhaus untergebracht. Die größte Handelskette für Haushaltswaren, Mercato, wurde auf dem Grundstück einer abgerissenen Textilfabrik errichtet.

Vororte nahe des ersten Stadtrings mit Fabriken und Kasernen blieben bislang unverändert. Die Unionsbrauerei, das Kolinska-Werk und Teile der Tabakfabrik (Abb. 3) sind immer noch in Betrieb. Die Verkehrsverbindung zwischen den Vororten und dem Hauptbahnhof sowie die Sanierung der Fabriken sind noch zu lösende Aufgaben. So gibt es zwar eine rege Bautätigkeit in der Stadt, aber noch kein abgeschlossenes, städtisches Großprojekt: Das Stadion, die Universitätsbibliothek oder der Flughafenterminal warten auf Vollendung. Auch an städtebauliche Projekte traut man sich nicht heran, obwohl dies besonders im Bereich des Wohnungsbaus dringend nötig wäre. Ein paar kleine, meist von jüngeren Architekten entworfenen Gebäude sind hingegen realisiert. Die beiden jungen Architekten Matija Bevk (1972) und Vasa Perovicˇ (1965) gewannen den diesjährigen Prešeren-Preis für Architektur. Eine ihrer Arbeiten ist die Sanierung der Villa Perhavec (Abb. 2), die 1932 von Josip Costaperaria entworfen wurde und nun das Hauptbüro des Gewerkschaftsverbandes für Bildung, Wissenschaft und Kultur beherbergt. Ein neuer Gartenpavillon und eine kleine Halle liegen etwas vom Hauptgebäude entfernt, wodurch eine klare Trennung zwischen Alt und Neu entsteht. Die Jugendstilfassade erhielt einen neuen Putz mit beigemischtem, gemahlenem Glas. Ihre Oberfläche reflektiert, wenn sie von der Sonne bestrahlt wird. Der jetzt offene Grundriss entspricht den heutigen Wohnbedürfnissen. Alle Materialien sind edel, wobei Glas für alles Neue steht. Ein Innenhof ist als Trockengarten angelegt, mit weißem Sand, kreisförmigem Grün und Bäumen. Offensichtlich und dennoch nicht unangenehm ist die maximale Ausnutzung von Gebäude und Grundstück.

Nach der Privatisierung in Ljubljana sind über 90 Prozent der Wohnhäuser und ebenso viele Baugrundstücke in privatem Besitz. Investitionen zeigen sich meist in Form von Erweiterungen oder Anbauten.

Der Bahnhof und andere Großprojekte

Ein weiteres Großprojekt der Zukunft ist die Umgestaltung des Hauptbahnhofs. Aufgrund Ljubljanas zentraler Lage zwischen Ost- und Mitteleuropa hat er das Potenzial zu einer Drehscheibe Europas zu werden. Die Reaktivierung des gesamten Bahnhofsviertels in diesem Rahmen ist ein weiteres großes Ziel. Für die Neugestaltung rief die Stadt bereits mehrere Wettbewerbe aus. Doch die Resultate sind bislang ernüchternd. Scheinbar ist es Ljubljanas Schicksal, dass Großprojekten mit Handlungsunfähigkeit begegnet wird.

Die Neuordnung des Verkehrs in Verbindung mit Konzepten für den Wohnungsbau wird bereits heftig diskutiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Lösungen den städtischen Raum verbessern werden.


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