Die Gründung Budapests geht auf das Jahr 1872 zurück, als sich die drei selbstständigen Gemeinden Óbuda (Alt-Ofen), Buda (Ofen) und Pest zusammenschlossen. In der Folgezeit entwickelte sich die Hauptstadt von Österreich-Ungarn zu einer der führenden Metropolen Europas. Ihre klassizistischen und romantischen Bauten entstanden im Wesentlichen während des zweiten Drittels des 19. Jahrhunderts sowie um die Jahrhundertwende und prägen noch heute das Stadtbild. Neben der Gründerzeitbebauung mit den typischen Baustilen - Historismus bis Jugenstil - spielen auch andere Epochen eine Rolle: die Römerzeit etwa, an die Ruinen eines Amphitheaters (Abb. 2) erinnern, oder die Reste des mittelalterlichen Burgviertels, oder die heute noch genutzten Thermalbäder aus der Zeit der Türkenherrschaft. Auch Barockkirchen oder Werke von Bauhaus-Architekten prägen die Stadt. Einen schwerwiegenden Eingriff ins historische Stadtbild stellte der sozialistische Massenwohnungsbau dar. Ganze Viertel wurden auf dem Reißbrett geplant. Diese meist am Rande der Hauptstadt angesiedelten Satellitenstädte zerstörten vielerorts die traditionelle Bausubstanz und das dörfliche Straßennetz. Zum Glück blieb die Gründerzeitbebauung der Innenstadt von einer groß angelegten Planung verschont, die das Zentrum entlang einer Stalin-Allee umzugestalten suchte. Das kommunistische Regime verwandelte sämtliche Wirtschaftszweige in Staatseigentum und setzte auf die Großindustrie. Auch Klein- und Handwerksbetriebe waren nicht ausgenommen. Mit der handwerklichen Tradition verschwand allmählich auch das über Jahrhunderte überlieferte Wissen - ein enormer Verlust, der sich vor allem bei der Instandhaltung von Gebäuden manifestierte. Aber auch Kenntnisse auf dem Gebiet der Baukunst gingen verloren und Restaurierungen wurden nicht mehr fachgemäß ausgeführt. Ein Übriges trugen der Mangel an Baustoffen bei sowie die oftmals minderwertige Qualität der Materialien. Vieles, was die Weltkriege und die sowjetische Armee bei der Niederschlagung des Volksaufstandes 1956 nicht zerstört hatten, fiel mit der Zeit der Vernachlässigung zum Opfer. Deshalb stellt sich die Sanierung Budapests heute als eine riesige Aufgabe dar mit dem Ziel, eine »Großstadt als Denkmal« zu schaffen.
