Die letzte Dekade hat einen neuen Typus von Stadien hervorgebracht, der auf den ersten Blick an bekannte Bilder aus der Geschichte erinnert: an das Stadion von Delphi (5. Jh. Chr.) etwa mit seiner U-förmigen Laufbahn und seinen charakteristischen Erdwall-Tribünen, die der Topografie folgen (Abb. 896). Auch das Amphitheater von Epidauros (4. Jh. Chr.) mit seinen steil aufsteigenden Rängen hat man vor Augen und natürlich das Kolosseum von Rom (70-80 n.Chr.), das Vorbild für alle späteren Arenen, wie Verona, Arles oder Nimes. Seine Tribüne, die »Cavea« (lat.50 000 Zuschauern freie Sicht auf die elliptische Arena. Das 187x155 Meter große und ca. 51 Meter hohe Gebäude ist die erste bedeutende Multifunktionsarena der Baugeschichte. Die Veranstaltungen reichten von Gladiatorenkämpfen bis zu Seeschlachten. Durch das Schließen des Dachs über eine Segeltuch- und Seiltechnik passte sie sich sogar dem Wetter an. Die dreigeschossige Erschließungsstruktur und das Treppensystem, durch das die Arena schnell geräumt werden konnte, sowie die innere Organisation mit Kellern, Tunneln, Gängen und Aufzügen entsprechen noch heute grundsätzlichen Anforderungen an eine Versammlungsstätte (Abb. Doch während im antiken Rom die Veranstaltungen gemäß dem politischen System »panem et circenses« für den Bürger frei waren, unterliegen Sportstätten heute einem hohen wirtschaftlichen Druck. Extreme Kommerzialisierung ist die Folge. So entstehen neben den für die Zuschauer benötigten Flächen auch solche, die rein dem Verkauf von Waren dienen oder der Vermietung für Besprechungen oder Konferenzen. Der Treffpunkt von Sportbegeisterten und Aktiven wird zum »Business-Club«. Der Sport bleibt zwar emotional, wird aber zum Geschäft.
