Der Balkon ist tot - es lebe die Loggia? Neue Fassaden im Wohnungsbau

Eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale einer Neubauwohnung ist ein möglichst großer Freibereich. Während der Garten und die von der Straße aus meist unsichtbare Dachterrasse eine untergeordnete Rolle für die Gestaltung eines Gebäudes spielen, werden die Freibereiche an der Fassade zum integralen Bestandteil der Architektur. Als Ersatz für den Strand oder den Blick über die Berggipfel dient seit jeher der Balkon - mit oder ohne Streifenmarkise, meist aber mit obligatorischer Schilfmatte als Sichtschutz für das ungestörte Sonnenbad. Er gehört noch zur Wohnung, kragt aber schon weit genug aus, um die Sorgen des Alltags vergessen zu lassen. Zum Synonym dieses nicht nur sparsamen, sondern auch ökologischen Urlaubsziels wurde der Begriff »Balkonien«. Das Wort stammt vom Althochdeutschen »balko« (Balken) und meint auskragende Plattformen, die nur untergeordnet eingefasst sind. Und genau diese Eigenschaft trägt dazu bei, dass diese Form des Außenbereichs immer seltener gebaut wird. In Zeiten zunehmender Verdichtung werden auch die Gebäudeabstände geringer. Der Wunsch nach einer ungestörten Privatsphäre ohne Einblick von außen und die Wiederentdeckung urbaner Qualitäten mit glatten Fassaden auch in Neubaugebieten erklärt die zunehmende Bevorzugung von Loggien anstelle von Balkonen.

Der Balkon ist tot - es lebe die Loggia? Neue Fassaden im Wohnungsbau
© Walter Mair