Diskussion: Christlicher Sakralbau - Entwicklungen von den 20er-Jahren bis heute

Im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Kirchenbau weitgehend dem Historismus verhaftet. Einzelne Bistümer, aber auch mehrere evangelische Landeskirchen schrieben bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein vor, in welchem Stil Kirchen zu bauen seien - zumeist (neo-)romanisch oder -gotisch1. Zur selben Zeit entstand in Mitteleuropa eine Bewegung - ausgehend von Belgien, Deutschland und Frankreich über Spanien und Italien -, die wir heute die »Liturgische Bewegung« nennen. Mönche verschiedener benediktinischer Klöster, Intellektuelle, die sich um diese scharten, aber auch Teile der Jugendbewegung studentischer Kreise suchten nach dem Eigentlichen des Christentums, insbesondere nach dem Ursprünglichen der katholischen Messe. Romano Guardini, aus Italien stammender und in Deutschland aufgewachsener katholischer Religionsphilosoph und Theologe, erlangte dabei für die »Liturgische Bewegung« größte Bedeutung2. Sein Buch »Vom Geist der Liturgie« (Freiburg 1918) und vor allem sein Ausspruch »Die Kirche erwacht in den Seelen« können als eine Art Programm dieser Zeit gesehen werden. Im Protestantismus gab es zeitgleich ähnliche Aufbruchsbewegungen.

Diskussion: Christlicher Sakralbau - Entwicklungen von den 20er-Jahren bis heute
© Paul Warchol