Das Wort »Eingang« ruft in uns archetypische Bilder hervor: ein Loch in der Wand, eine Tür mit Klinke, eine Schwelle auf dem Boden - eine lineare Grenze, mit deren Überschreiten wir die äußere Welt hinter uns lassen und in die innere Welt eines Gebäudes eintauchen. In seiner Holzschnittartigkeit ist dieses Konzept von Eingang offenkundig symbolisch. Dass es gleichzeitig auch sehr real ist, beweist seine massenweise Anwendung in der Architektur des suburbanen Wohnens. Der Eingang ist wahrscheinlich dasjenige typologische Element des Einfamilienhauses, dem die größte gestalterische Aufmerksamkeit zuteil wird. Die schier unerschöpfliche Bandbreite von Eingangslösungen lässt den Schluss zu, dass die symbolische Repräsentation des Eingangs immer mehr zur tatsächlichen Funktion des Eingangs wird. Schließlich betreten und verlassen wir das Haus viel häufiger über die ins Haus integrierte Garage. Ob es sich dabei noch um einen klassischen Eingang handelt, ist unklar, weil der Wechsel zwischen Innen- und Außenraum aus dem Haus ausgelagert wird. Beim Arbeitsweg mit dem Auto findet er teilweise gar nicht mehr statt: Wir gehen vom Korridor in die Garage, steigen ins Auto, öffnen das Garagentor mit der Fernbedienung, fahren in die Stadt zu unserem Bürogebäude, stecken aus dem Autofenster unsere ID-Card in den Kartenleser an der Schranke zur Tiefgarage, parken den Wagen im 2. Untergeschoss und fahren mit dem Aufzug in unser Büro. Acht Stunden später wiederholen wir die Reise in umgekehrter Richtung und kehren nach Hause zurück. Den Außenraum haben wir dabei eigentlich zu keiner Zeit betreten. Statt dessen haben wir eine Folge von ineinander gesteckten Innenräumen durchquert. Wohl passierten wir eine Vielzahl Türen, Tore und Schranken, doch einen Eingang haben wir dabei nicht wirklich registriert. Eine Infrastruktur des automatisierten Eintretens macht uns permanent den Weg frei, ohne dass wir einmal anhalten müssten, um die Tür zu öffnen.
