Diskussion: Von der Infrastruktur zur Freitzeitkultur - Parks über Verkehrsflächen

Städtisches Wohnen gewinnt an Attraktivität: Das ist ein Trend, der sich weltweit diagnostizieren lässt. Entzündete sich die Zivilisationskritik des 19. Jahrhunderts an den boomenden Industriemetropolen, die durch Wohnungsnot, Verslumung und Luftverschmutzung geprägt waren, so bietet die heutige Deindustrialisierung Potenziale für städtische Entwicklungsdynamik. Infrastrukturareale, die vor wenigen Jahren noch den Arterien städtischer Versorgungssysteme angeschlossen waren, sind zu Brachland geworden. Im Zuge der Tertiarisierung hat sich die stadträumliche Funktionsverteilung grundsätzlich gewandelt. Einstige Hafenanlagen und Eisenbahnareale werden aufgrund des postindustriellen Strukturwandels nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck benötigt, sodass innerstädtische Grundstücke und ufernahe Bereiche neu beplant werden können. Außerdem gilt es, Auswüchse aus der Zeit ungehemmter Massenmobilität zu korrigieren. Autobahnen in Trogstrecken zu versenken oder zu überbauen ist kostspielig, aber - wie verschiedene zeitgenössische Beispiele zeigen - ein Gewinn für Stadt und Landschaft, auch wenn Kritiker mitunter argumentieren, dass es sich um Strategien eines »Embellissement« und somit um Kaschierung, nicht aber um eine tatsächliche Lösung der Verkehrsprobleme handelt.

Diskussion: Von der Infrastruktur zur Freitzeitkultur - Parks über Verkehrsflächen
© Joel Sternfeld