Immer weniger Energie sollen Gebäude in Europa künftig verbrauchen. Nur in einem Punkt, so scheint es, ticken die Uhren rückwärts: Betondecken sind heute meist deutlich dicker als noch vor 20 Jahren; Haustechniksysteme mit ihren verzweigten Rohrleitungen werden immer aufwendiger und Dämmschichten immer stärker. Damit steigt der Energieaufwand für deren Herstellung. Die »graue Energie« oder - wissenschaftlicher ausgedrückt - der kumulierte Energieaufwand für Herstellung, Wartung, Instandsetzung und Entsorgung - wird zu einem immer bedeutsameren Faktor in Gebäuden. Bei Passivhäusern kann sie mehr als ein Drittel der gesamten Primärenergie ausmachen, die das Gebäude im Laufe von 50 Jahren benötigt. Bei Nullenergiegebäuden schlägt schließlich - neben dem Haushaltsstrom - nur noch die graue Energie auf der Negativseite zu Buche. Damit stellen sich neue Fragen bei der Gebäudeplanung: Wie lässt sich der Ressourcen- und Energieeinsatz schon während der Bauphase minimieren? Und welche verlässlichen Entscheidungskriterien gibt es für die ökologische Baustoffwahl?
