In Berliner Bars fließen die Nächte nicht selten direkt in den Mittag. An den Theken der Stadt wird an Partylegenden für die nächste Generation gestrickt und sehnsuchtsvoll an Zeiten erinnert, in denen Berlin noch ein einziger Abenteuerspielplatz war. Die Stadt trug ihre Unbeständigkeit immer mit Stolz, erhob sie zum Charakterzug. Derzeit findet sie sich in einer Situation ohne verlässlichen Wandel wieder und steuert dabei mancherorts global wie banal auf formelhafte Szenarien zu. Es wurde einmal zum Barbesitzer, wer einen alten Postbahnhof, ein Kaufhaus oder einen Bunker besetzte und ein paar Stühle hineinstellte. Überinszenierung, Prunk und prätentiösen Pomp gab es vielleicht in einer Hotelbar. Doch die Szene ist erwachsen geworden, und die Neuen sind gekommen, um zu bleiben. Sie installieren Leder und Lüster, verfügen dabei aber über ausreichend renommierte Designer, die Berlins Gesicht der Zehnerjahre einen eigenständigen Ausdruck geben. Das Improvisierte und Unfertige tritt dabei manchmal noch als Statist ins Bild. Ein nächtlicher Ritt durch die Stadt, mit Stopps bei den vielversprechendsten Neuzugängen der Barkultur. Tanja Pabelick
